Aufgetreten ist Oppositionsführer Özgür Özel, Vorsitzender der Republikanischen Volkspartei (CHP), der auch Imamoglu angehört. Er forderte die Leute im Land zu Kundgebungen auf. Er gelobte, er werde jeden Abend in Istanbul auf der Strasse demonstrieren.
Flankiert wurde Özel vom Bürgermeister von Ankara sowie von Imamoglus Ehefrau.
«Tayyip, tritt zurück!», rief die Menge, darunter viele Universitätsstudenten, an die Adresse des Staatschefs Erdogan.
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Das Polizeiaufgebot war gross, und viele U-Bahnstationen waren gesperrt. Einige der mehrheitlich jugendlichen Demonstranten wollten einen Sicherheitskordon der Polizei durchbrechen. Özel warnte sie davor, die Demonstranten durch den Einsatz von Tränengas oder Gummigeschossen zu provozieren.
«Wenn dies geschieht, wird die Istanbuler Polizei zur Verantwortung gezogen», warnte er. «Wer seid ihr, dass ihr Gas auf die Hoffnung der Türkei schiesst?»
Es war die zweite Nacht, in der sich Tausende von Demonstranten trotz eines Demonstrationsverbots vor dem Rathaus versammelten, um ihrer Wut über die Inhaftierung des Bürgermeisters im Rahmen einer Untersuchung wegen Bestechung und Terrorismus Ausdruck zu verleihen.
«Bürgermeister Ekrem ist nicht in Korruption oder Terrorismus verwickelt. Er ist weder ein Dieb noch ein Terrorist», sagte Özel und warnte Erdogan, dass die Protestwelle nicht aufhören werde.
Ausser einzelnen Demonstrationen blieb es ruhig im Land. Die Menschen verfolgten die Ereignisse via soziale Medien und TV. Viele äussern sich nicht öffentlich über die Ereignisse aus Furcht vor Repressionen. Doch hinter vorgehaltener Hand äussern viele ihre Sorgen über eine Demontage der Demokratie. Imamoglu ist in der Stadt Istanbul und im Land populär.
Präsident Erdogan brach nach über einem Tag sein Schweigen zu den Verhaftungen: Die Oppositionspartei versuche, ihre eigenen Fehler zu vertuschen, und führe die Menschen mit «Theater» in die Irre. Er äusserte sich erstmals seit der Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters, wie Reuters berichtete und von BNR zitiert wurde.
Die Probleme der Republikanischen Volkspartei «sind nicht die Probleme des Landes, sondern die Probleme einer Handvoll Opportunisten in ihren Zentralen», fügte er hinzu.
«Wir haben keine Zeit mit den Theatern der Opposition zu verlieren», sagte der Staatschef.