Es gab keinen symbolischen Reset-Knopf beim Treffen in Alaska. Trump war ein guter Gastgeber. Beide Präsidenten sorgten dafür, dass das Treffen auf Augenhöhe und in gegenseitigem Respekt verlief. Sie sind bereit, als Nachbarn und Gegner miteinander zu reden und sich ihrer Verantwortung als atomare Supermächte gegenüber der Welt zu stellen. Das war ihre Kernbotschaft.
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Was im Einzelnen besprochen wurde, ist aus guten Gründen vertraulich. Aber wie sie sprachen, wurde in Alaska demonstriert: Niemand kam oder ging als Sieger, niemand als Geschlagener. Die Gespräche werden fortgesetzt werden.
Die wichtigste unterschwellige Nachricht des Treffens übersahen die meisten Kommentatoren. Beide Präsidenten haben zueinander ein Grundvertrauen. Putin schloss sich öffentlich der Sichtweise von Trump an, dass es unter Trump nicht zum Krieg in der Ukraine gekommen wäre, dass dieser Krieg vermeidbar gewesen wäre.
Trump wiederum verwies auf den «Russland-Schwindel» («Russia hoax»), der die Beziehungen schwer belastet hatte. Das führt zurück zur Begegnung zwischen Trump und Putin in Helsinki 2018. Damals erklärte Trump, er glaube der Versicherung des russischen Präsidenten, dass sich Russland nicht in die US-Wahlen 2016 (zu seinen Gunsten) eingemischt habe. Dafür wurde er in den USA öffentlich des Hochverrats beschuldigt. Wie kann ein US-Präsident dem Gegner glauben und nicht den eigenen Geheimdiensten?
Vor dem Treffen in Alaska veröffentlichte die US-Geheimdienstkoordinatorin Gabbard bislang geheime Dokumente. Sie wurden zum endgültigen Sargnagel für den «Russland-Schwindel». Das zuletzt veröffentlichte Dokument belegt die politische Verschwörung von vier US-Geheimdienstchefs, im «Team» an einer Geschichte festzuhalten, die sie unterhalb normaler geheimdienstlichster Standards, alles in allem beweislos, an den Haaren herbeigezerrt hatten.
Im Auftrag Obamas ging es um die innenpolitische Unterminierung der Trump-Präsidentschaft, aber auch darum, Russland und dessen Präsidenten zu dämonisieren. Nun liegt offen: Putin bluffte nicht. Er hatte Trump in Helsinki nicht belogen. Auf diesem Kapital können beide Präsidenten aufbauen.
Die EU, aber auch die Ukraine werden sich vom «Russland-Schwindel» distanzieren müssen, wenn sie auf Augenhöhe mitreden wollen.