Sein Vater ist ein indisch-ugandischer Anthropologie-Professor an der Columbia-Universität, seine Mutter die berühmte indische Regisseurin Mira Nair («Monsoon Wedding»). Die New York Times beschreibt die Politik Zohran Mamdanis, der soeben zum Kandidaten der New Yorker Demokraten fürs Bürgermeisteramt gewählt wurde, als «Links-aussen-Programm […], das für progressive Eliten nach wie vor attraktiv ist, sich jedoch als schädlich für das Stadtleben erwiesen hat».
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Unter anderem fordert Mamdani, 33, kostenlose Stadtbusse, höhere Steuern für Reiche, von der Stadt betriebene Lebensmittelgeschäfte, das Einfrieren der Mieten und einen Mindeststundenlohn von 30 Dollar. Er sagt, es brauche keine Milliardäre und er würde den israelischen Staatschef Benjamin Netanjahu verhaften, wenn der nach New York käme. Nirgendwo ausserhalb von Israel leben mehr Juden als in der amerikanischen Metropole an der Ostküste. Mamdani ist Muslim und lehnt, gemäss der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), das Existenzrecht Israels als jüdischem Staat ab.
Trotz extremen Positionen möchten die Demokraten New Yorks Mamdani als Bürgermeister ihrer Stadt, in der mehr als die Hälfte der letztjährigen Hassverbrechen Juden galten, wie die AP jüngst berichtete.
In den Vorwahlen schlug Mamdani überraschend den vom Partei-Establishment unterstützten prominenten Politiker Andrew Cuomo. Der 67-Jährige war einst Gouverneur, trat 2021 im Zusammenhang mit #MeToo-Anschuldigungen aber zurück. Der mehrheitsfähige Cuomo dürfte bei den New Yorker Bürgermeisterwahlen im November trotzdem – als Unabhängiger – antreten. Daneben steigt noch der Mann der Republikaner, Curtis Sliwa, ins Rennen. Er gilt als chancenlos. Die Republikaner haben in New York City bloss einen Stimmenanteil von 26 Prozent.
Der Aufstieg Zohran Mamdanis zum Spitzenkandidaten für das höchste Amt «der dynamischsten und wichtigsten Stadt der Welt» (New York Times) ist ein neues Beispiel für die Talfahrt von herkömmlichen Politikern. Im rechten Lager sah man dies bereits vor ein paar Jahren beim Durchbruch von Donald Trump.
Der amerikanische Präsident sagt übrigens, dass viele glauben, Mamdani «sei illegal hier», er habe gehört, er sei ein «totaler Spinner» und nannte Mamdani einen «lupenreinen Kommunisten». Trump erklärte die New Yorker Bevölkerung für verrückt, falls sie Mamdani im November wählen sollten.
Mamdani ist in Uganda geboren, wuchs auch in Südafrika auf und kam 1998, als 7-Jähriger, nach New York. Die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt er 2018. Er ist telegen, charismatisch und trägt stets Anzug und Krawatte. Rundum wird von einem «fröhlichen Wahlkampf» berichtet, den Mamdani bisher betrieben habe.
Für die den Demokraten nahestehende New York Times ist er aber nicht wählbar. «Leider verfolgt Mamdani eine Agenda, die für die Herausforderungen der Stadt völlig ungeeignet ist», schreibt sie. Eine der «Herausforderungen» ist die zunehmende Gewalt. In den letzten zehn Jahren sei die Zahl der schweren Körperverletzung in New York um mehr als 40 Prozent gestiegen. Die Zeitung empfahl ihrer Leserschaft, im November weder Mamdani noch Cuomo zu wählen.
New Yorks jüngster Politstar ist privilegiert aufgewachsen. Er besuchte nur die besten Schulen und studierte am Bowdoin College, das damals als eines der teuersten des Landes galt. Netflix-Gründer Reed Hastings hat am selben Ort studiert. Mamdani machte einen Abschluss in Afrikanologie. Er war auch Rapper und hat verschiedene Platten unter dem Künstlernamen Young Cardamom oder Mr. Cardamom veröffentlicht. Ein Titel hiess «Salam», in dem er 2017 seine Bewunderung für die amerikanische Holy Land Foundation ausdrückte. Das ehemalige Hilfswerk hatte die Hamas unterstützt und wurde 2008 wegen Terror-Finanzierung verurteilt.
Ebenfalls 2017 trat Mamdani der Democratic Socialists of America (DSA) bei, jener Partei des linken Kultpolitikers Bernie Sanders (83), der schon zweimal US-Präsident werden wollte. 2020 gelang Mamdani der Sprung in die New York State Assembly, ins Parlament des Staates New York. 2022 und 2024 wurde er wiedergewählt. Sein überschaubarer Leistungsausweis war ein weiterer Grund der New York Times gegen Mamdani: Er bringe «weniger relevante Erfahrungen mit als vielleicht jeder andere Bürgermeister in der Geschichte New Yorks. Er hat noch nie eine Regierungsbehörde oder eine private Organisation von nennenswerter Grösse geleitet.»
Aber der 33-jährige Zohran Mamdani scheint zu wissen, wie man effizient Wahlkampf macht. Mit seinem Programm (Steuern, Mieten, Lohn) spricht er die grosse Masse an, und er zielt nicht auf eine spezifische Gruppe von Menschen, jenem – Identitätspolitik genannten – Aktivismus, den die Demokraten seit Jahren – zuletzt Kamala Harris im Präsidentenrennen – erfolglos pflegen. In der New York Post wird Mamdani auch deshalb «Fidel Castro New Yorks» genannt.