Es war das Spiel der Schlagzeilen: So viel Aufmerksamkeit zog der American-Football-Final Super Bowl vor und nach dem Match noch nie auf sich. Der puerto-ricanische Superstar Bad Bunny hatte die Gemüter zum Kochen gebracht, weil er in der Pausenshow am Sonntag nur auf Spanisch sang – eine Super-Bowl-Premiere. Manche sahen darin den gesellschaftlichen Fortschritt, andere – darunter Präsident Donald Trump – betrachteten es als Affront gegenüber den Amerikanern, dass ausgerechnet beim meistbeachteten Live-Ereignis Englisch zu kurz kam.
Santiago Mejia/San Francisco Chronicle/Keystone
Die Trump-nahe Bewegung Turning Point USA stellte kurzerhand eine alternative Veranstaltung mit Country-Rocker Kid Rock auf die Beine. Sie wurde parallel zu Bad Bunnys Auftritt auf Youtube und anderen Onlinekanälen ausgestrahlt. Die offizielle Pausenshow wie auch das ganze Spiel zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots kam im Fernsehen auf NBC, Peacock, Telemundo, NBC Sport Digital und NFL+. Die Seahawks gewannen das «nordische» Duell 29:13.
Vielleicht lag es an der konservativen Konkurrenz oder daran, dass Trump im Gegensatz zum letzten Jahr nicht im Stadion war, aber Bad Bunny schnitt schlechter ab als sein Vorgänger Kendrick Lamar, der letztes Jahr am Super Bowl auftrat und die Rekordeinschaltquote von 133,5 Millionen Zuschauern erzielte. Bei Bad Bunny schalteten am Sonntag 128,2 Millionen ein. Damit schaffte es der 31-jährige Latino immerhin auf Platz zwei in der ewigen Super-Bowl-Bestenliste.
Die Parallelveranstaltung mit Kid Rock, die nicht den Vorteil einer Liveübertragung auf NBC, einem der grössten TV-Sender Amerikas, hatte, schauten auf Youtube bis heute 21 Millionen Leute. Einen Eindruck über die Dimensionen Amerikas gibt ein Vergleich mit Deutschland, dem einwohnerstärksten Land Europas. Das meistgesehene Ereignis von letztem Jahr war der Fussball-EM-Halbfinal der Frauen zwischen Deutschland und Spanien mit 14,573 Millionen Fernsehzuschauern.