Mitten in der Feriensaison sorgt der italienische Alpenverein CAI für Aufregung in Südtirol: Zahlreiche traditionsreiche Berghütten sollen künftig italienische Namen tragen, berichtet die Bild-Zeitung. Betroffen sind insbesondere Hütten mit deutschen Städtenamen wie die Regensburger, die Kasseler oder die Magdeburger Hütte, die im 19. Jahrhundert von alpinen Vereinen aus dem damaligen Österreich-Ungarn errichtet worden sind.
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Die Initiative des CAI zielt darauf ab, die Hütten stärker mit der Region Südtirol zu verankern – so soll etwa aus der Kasseler Hütte die Hochgallhütte werden. Als Begründung führt der Verein an, dass die Bezeichnungen keine geografische Verbindung zur Umgebung hätten. Die deutschen Namen seien ein Relikt der Vergangenheit und nicht mehr zeitgemäss, berichten italienische Nachrichtensender RAI und die Dolomiten-Zeitung.
Kritik an diesem Vorhaben kommt jedoch aus Südtirols Landespolitik. Otto Mahlknecht, Vizeobmann der Partei Freiheitliche, warnt vor «fragwürdiger Identitätspolitik» auf Kosten alpinistischer Geschichte. «Wer heute meint, dass Bezeichnungen wie Chemnitzer Hütte oder Marburger Hütte nicht mehr zeitgemäss seien, ignoriert nicht nur die Geschichte des Alpinismus, sondern betreibt eine fragwürdige Identitätspolitik auf dem Rücken historischer Verdienste», sagte Mahlknecht laut RAI.
Die betroffenen Hütten wurden teils vor über 140 Jahren errichtet – beispielsweise die Kasseler Hütte im Jahr 1877 oder die Regensburger Hütte 1888. Finanziert wurden sie damals durch deutsche Adelige und Architekten. Trotz späterer Enteignungen nach dem Ersten Weltkrieg blieben die Namen erhalten – ergänzt durch italienische Bezeichnungen.
Mit über 40 Prozent stellen deutsche Urlauber derzeit die grösste Touristengruppe in Südtirol.