Die Schweiz steuert nach Einschätzung der Strombranche auf eine Versorgungslücke zu. Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) warnt, dass die gesetzlich festgelegten Versorgungsziele für 2035 und 2050 klar verfehlt würden. In einem neuentwickelten Frühwarnsystem erreicht die Schweiz für 2035 lediglich 82 von 100 Punkten, für 2050 nur noch 69 Punkte, wie der Verband mitteilt.
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Hauptgründe seien ein stärkerer Anstieg des Stromverbrauchs als erwartet sowie der geplante Ausstieg aus der Kernenergie ab 2040. Treiber der Nachfrage seien insbesondere Elektroautos und neue Rechenzentren. Gleichzeitig stocke der Ausbau der inländischen Stromproduktion. Der sogenannte Solarexpress liefere bislang nur einen Bruchteil der angestrebten zwei Terawattstunden, auch Wind- und Wasserkraftprojekte kämen nur schleppend voran.
Besonders kritisch werde die Lage ab 2045, wenn die letzten beiden Schweizer Kernkraftwerke vom Netz gehen dürften. Von sechezehn beschleunigten Wasserkraftprojekten würden viele verkleinert oder vorläufig nicht weiterverfolgt. VSE-Direktor Michael Frank warnt: «Ohne rasches Handeln droht der Schweiz eine Versorgungslücke – vor allem im Winter.»
Der Verband fordert mehr Tempo beim Ausbau von Stromproduktion, Speichern und Netzen. Zudem sollten neue Gaskombikraftwerke, ein längerer Betrieb bestehender Kernkraftwerke sowie das Stromabkommen mit der EU geprüft werden.