Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Streit um Grönland: Parmelin schweigt, Cassis redet. Der Bundespräsident hält sich zurück, der Aussenminister lässt sich von Medien aufs Glatteis führen

Anhören ( 2 min ) 1.0× +
Streit um Grönland: Parmelin schweigt, Cassis redet. Der Bundespräsident hält sich zurück, der Aussenminister lässt sich von Medien aufs Glatteis führen
Streit um Grönland: Parmelin schweigt, Cassis redet. Der Bundespräsident hält sich zurück, der Aussenminister lässt sich von Medien aufs Glatteis führen
0:00 -0:00
1.0×
100%
Mehr ▾

Was ist eigentlich mit unseren Politikern los? Kaum wird irgendwo auf der Welt ein Konflikt vom Zaun gebrochen, meinen sie, sie müssten lautstark ins Lamento der internationalen Empörungsaktivisten einstimmen. Selbst Mitglieder unserer Landesregierung können es sich nicht verkneifen, im Chor der Betroffenheitsapostel aus voller Kehle mitzusingen.

© KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Switzerland's Federal President Guy Parmelin, left, speaks with Switzerland's Foreign Minister Federal councillor Ignazio Cassis, right, before a bilateral meeting at the House of Switzerland, HoS, on the sideline of the 56th annual meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Tuesday, January 20, 2026
© KEYSTONE / LAURENT GILLIERON

Aussenminister Ignazio Cassis lieferte dazu in der NZZ eine etwas irritierende Kostprobe ab. Als er gefragt wurde, ob die USA ein verlässlicher Partner seien, gab er folgendes zur Antwort: «Wir müssen anerkennen, dass wir nicht mehr in einer regelbasierten Ordnung leben, sondern in einer regelbasierten Unordnung. Die USA sind gerade Gestalter der Welt, und wir sind alle davon betroffen, die Schweiz etwa mit Blick auf Zölle», so der Tessiner Freisinnige.

Es ist verhängnisvoll, wenn unsere Spitzenpolitiker aus den Augen verlieren, was wir hegen und pflegen sollten, nämlich unsere immerwährende bewaffnete Neutralität. Jetzt erst recht. In einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, sind wir gut beraten, wenn wir uns auf das besinnen, was sich in der Vergangenheit bewährt hat – sich nicht in fremde Händel einmischen, stattdessen unsere Vermittlungsdienste bei internationalen Konflikten anbieten.

Was nützt es unserem Land, wenn der Aussenminister die Intervention der USA in Venezuela als Schock für Europa kritisiert? Was ist denn schockierend daran, wenn ein US-Präsident den mutmasslichen Drogenhändler Nicolás Maduro in Gewahrsam nimmt? Diese gekünstelte Empörung über die Verletzung von Rechtsstaatlichkeit und Völkerrecht dürfen vielleicht die daueraufgeregten Linken zur Schau tragen, aber ganz gewiss nicht unsere Bundesräte.

Bundespräsident Guy Parmelin versteht es inzwischen offenbar besser als der Aussenminister, sich in einem Gelände zu behaupten, welches in Bewegung geraten ist. Für ein Land wie die Schweiz, das mit allen Staaten auf dem Globus Handel treiben will und dessen Wohlstand entscheidend davon abhängt, wie uns andere wahrnehmen, ist es strategisch unklug, im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit weltpolitische Geschehnisse übereifrig gestikulierend anzuprangern. Es braucht mehr Rückgrat, sich in Krisenzeiten nicht von Medien aufs Glatteis führen zu lassen und nicht hinauszuposaunen, was diese hören respektive schreiben wollen.

Bundespräsident Parmelin hat am WEF in Davos der Verlockung widerstehen können, sich zu Trumps Grönlandannexion mainstream-kompatibel zu äussern. Dafür hat er keinen Applaus bekommen, der Tages-Anzeiger hat sich deswegen sogar über ihn lustig gemacht, da er zum Thema nicht Position beziehen wollte, anders als Frankreichs Präsident Emmanuel Macron oder die EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen. Wir sind kein EU-Mitgliedsland, sondern ein neutraler europäischer Staat, dem es eigentlich immer gutgegangen ist, solange sich die aktuellen Machthaber nicht weit aus dem Fenster gelehnt haben.

Diesen Pfad der Tugend sollten wir besser nicht verlassen.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.