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Stirbt die Demokratie? Wie aus der Herrschaft des Volkes eine selbstbedienende Bürokratie wurde

Die grösste Lüge unserer Zeit heisst Demokratie. Demokratie war einmal. Als alle Bürger eines Landes noch sagen konnten, um was es ihnen war. Und wenn eine Mehrzahl der Bürger zur Ansicht kam, dass ein bestimmter Politiker eine Pfeife ist, dann war der eine Pfeife.

© KEYSTONE / ANTHONY ANEX
The Federal Palace pictured during a autumn sunset, Wednesday, October 9, 2019 in Bern, Switzerland
© KEYSTONE / ANTHONY ANEX

Dieser wichtigste Baustein der Demokratie ist subtil zum Parameter der Vergangenheit degradiert woren. Eines schönen Tages hatten die Politiker es satt, ständig als Pfeifen in der Landschaft zu stehen. Sie erfanden die politische Korrektheit. Und damit waren die politischen Pfeifen unserer Gesellschaft keine solchen mehr. Höchstens noch Opfer von Hass und Häme.

Politik ist die Kunst des Möglichen. Und damit wurde es für die Politiker sehr einfach, den Weg zu finden, nicht mehr als Pfeifen beschimpft werden zu können. Sie mussten, um die Kontrolle über die Menschheit behalten zu können, ganz einfach zur Mehrheit werden. Erstes Prinzip der Demokratie.

Seit es Politik gibt, die Kunst, die Menschheit zu kontrollieren, tut sie dies mit der Hilfe ihrer Beamten. Die Beamten sind die Ausführungsgehilfen der Politik. Sie tanzen nur nach der Pfeife der Politik. Sie sind von ihr angestellt, sie sind von ihr mit dem Geld der Gesellschaft bezahlt. Es sind die Beamten in den Behörden, es sind die Polizisten, es sind die Richter und auch die Journalisten, denen mit den sozialen Medien die Gegenwart schwieriger wurde, die Zukunft fragwürdiger. In den sozialen Medien hatte plötzlich auch jener Teil der Gesellschaft, der in den Demokratien als Hauptaufgabe die Bezahlung von Politik, Beamten, Polizei, Gerichten und Medien zugewiesen worden war, eine offensichtlich zu laute Stimme.

Die herrschende Macht musste also ihre Kräfte bündeln, ihre soziale, finanzielle und ausführende Stellung halten und verbessern zu können. Sie versammelte sich, erklärte die bösen Stimmen in den sozialen Medien zu Verbreitern von Hass und Häme.

Der Mainstream war geboren.

Der Mainstream betonierte sich. Wurde zum festen Betandteil der Bürokratie, deren wichtigste Aufgabe es ist, den produzierenden Teil der Gesellschaft in den Schranken zu halten, damit dieser seine wichtigste Funktion nicht vergisst, die es ist, sie, die Bürokratie, zu finanzieren. Was sich dann als soziale Marktwirtschaft definiert.

Die politische Korrektheit hatte dafür gesorgt, dass der Journalismus sterbenskrank – weil kraft- und saftlos –und damit langweilig geworden war. Die ungewählten Politiker in den Medien hatten sich überflüssig geschrieben, nur noch eine Zukunft, wenn sie sich der Politik offiziell anschliessen würden. Das taten die Besten unter ihnen, sie wurden Formulierer, Sprecher der Politiker, die weniger Guten begnügten sich damit, selber Politiker zu werden.

Letzthin kam es an den Tag. Erstmals in der Geschichte der Menschheit verdienten die Beamten bei uns besser als die Mitglieder der produzierenden Gesellschaft. Das wurde nur möglich, weil still und leise der Anteil unserer Gesellschaft, die den produzierenden Teil derselben mit ihrer Politik und ihren ausführenden Bestimmungen kontrolliert, zahlenmässig übertrifft. Denn nur ein demokratischer Entscheid kann die Demokratie abschaffen.

Wir sind zur Bürokratie abgestiegen.

Ich weiss, es sind nicht alle Beamten, nicht alle Politiker, vor allem nicht alle Polizisten, sowieso sicher nicht alle Richter Pfeifen. Ich entschuldige mich also bei all jenen, die sehr wohl mit sauberem Gewissen und Herzen, wenn auch ein bisschen naiv, noch dafür arbeiten, dass unsere Demokratie in ihrem Todeskampf nicht endgültig zum Opfer der Bürokratie wird, für meine so politisch unkorrekte Analyse.

Tröstlich auch. Auf der anderen Seite gehört es zum Wesen der ausufernden Bürokratie, dass sie am Ende nicht überleben kann, wenn sie die sie allein fütternde Demokratie ganz aufgefressen hat. Wer soll sie denn dann noch bezahlen?

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