Jetzt muss die Stunde der Zusammenarbeit zwischen den Konservativen und Reform UK kommen. Allenfalls droht beiden Parteien ein Desaster.
Die britischen Konservativen sind eine grosse Volkspartei. Ähnlich wie die deutsche CDU biederten sie sich in den letzten Jahrzehnten allerdings links der Mitte an. Damit machten sie Nigel Farages Reform UK Platz am rechten Rand des politischen Spektrums.
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Das rächt sich nun im Mehrheitswahlrecht.
Denn Labour profitiert davon, dass sich die bürgerlichen Stimmen auf zwei Parteien aufteilen. Das muss nicht immer schiefgehen wie bei der jüngsten Unterhaus-Nachwahl, hat sich aber in den Wahlen letztes Jahr auf breiter Front gezeigt.
Um dieses Szenario in Zukunft zu verhindern, müssen die Tories und Reform UK zusammenrücken: inhaltlich bei Themen wie der Migration oder einer restriktiven Fiskal- und Sozialpolitik. Erst dann werden Absprachen in den Wahlkreisen möglich sein, damit sich die Konservativen und Reform UK nicht weiter kannibalisieren und Labour nicht weiter profitiert.
Dazu braucht es inhaltliche Zugeständnisse beider Seiten. Aber auch die grossen Egos des exzentrischen Nigel Farage und der streitbaren Tory-Führerin Kemi Badenoch müssen sich bescheiden. Bleibt diese Annäherung aus, drohen Verhältnisse wie in Deutschland und Frankreich, wo weite Teile der Wählerschaft vom politischen Entscheidungsprozess ausgeschlossen bleiben – mit einer entsprechend frustrierten Wählerschaft.