Die Ukraine stellt sich auf eine Zukunft ein, in der internationale Sicherheitsgarantien nicht ausreichen – und plant deshalb einen radikalen Umbau ihres Verteidigungsapparats. Ziel sei es, das Land in ein «Stachelschwein aus Stahl» zu verwandeln, das für Russland ungeniessbar bleibt, sollte es erneut angreifen. Dies sagte Alyona Getmanchuk, Leiterin der ukrainischen Nato-Mission, dem Portal Politico.
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Zentraler Pfeiler dieser Strategie sei eine dauerhafte massive Armee, kombiniert mit einem leistungsfähigen Rüstungssektor, der Drohnen, Raketen und moderne Waffensysteme in grossem Stil produzieren kann. «Die Substanz jeder Sicherheitsgarantie muss künftig aus der ukrainischen Armee und der eigenen Verteidigungsindustrie bestehen – nicht aus Papierverträgen», so Getmanchuk.
Hintergrund ist das bröckelnde Vertrauen in internationale Zusagen: Nachdem US-Präsident Donald Trump einen Nato-Beitritt ausgeschlossen und in der Vergangenheit abrupt Kurswechsel vollzogen hatte, wächst in Kiew die Skepsis. Schon das Budapester Memorandum von 1994, das die Ukraine im Gegenzug zur Abgabe ihres Atomwaffenarsenals unter westlichen Schutz stellte, erwies sich als wirkungslos.
Auch die Zusagen europäischer Verbündeter, Truppen nach einem Friedensschluss zu entsenden, werden in der Ukraine eher als Ergänzung gesehen – nicht als Ersatz für eigene Stärke.
Laut Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov sind aktuell rund 2 Millionen Ukrainer als Wehrdienstverweigerer registriert, 200.000 Soldaten seien unerlaubt abwesend. Dennoch plant die Ukraine, eine Friedensarmee von 800.000 Mann aufrechtzuerhalten – eine gewaltige Herausforderung in Personal, Organisation und Finanzierung. Digitale Reformen, bessere Ausbildung und eine neue Führungskultur sollen das Militär langfristig stärken.
Ein Fokus liegt auf der Drohnenproduktion: 2025 wurden über 110 Milliarden Hrywnja (rund 2,1 Milliarden Euro) in Drohnentechnik investiert. Die Ukraine entwickelt auch eigene Marschflugkörper mit Reichweiten bis zu 3000 Kilometern und taktische Raketen gemeinsam mit dem Vereinigten Königreich.
Doch es fehlt an verlässlicher Finanzierung. Laut Ihor Fedirko vom ukrainischen Verteidigungsrat sind derzeit bis zu 60 Prozent der Produktionskapazitäten ungenutzt. Internationale Programme wie die geplanten 90 Milliarden Euro an EU-Krediten – davon zwei Drittel für Verteidigung – könnten helfen, die nötige Industrie aufzubauen.
Präsident Selenskyj: «Mit einem Nachbarn wie Russland müssen die Ukrainer effektive Verteidiger ihres Staates sein – damit die Ukraine immer unabhängig und frei bleibt.»