Auf Anfrage der Weltwoche sagte das Staatssekretariat für Migration (SEM) zur Kritik von Influencer Joung Gustav an der schweizerischen Asylpolitik unter anderem diesen Satz: «Dazu nehmen wir nicht Stellung, die Interpretation völkisch anmutender ‹Analysen› gehört nicht zum Aufgabenbereich des SEM.»
Man reibt sich die Augen. Statt nüchtern und sachlich zu offenkundigen Fehlentwicklungen und Missständen im Asylwesen Stellung zu beziehen, stellen die Behörden Joung Gustav in die braune Schandecke.
Jasmin Karim für die Weltwoche
Das ist ideologisches Framing der untersten Schublade und klingt, als ob beim SEM durchgeknallte Jungsozialisten die Feder führten – und nicht professionelle Beamte, geschult in professioneller Kommunikation.
Dass eine solche Entgleisung möglich ist und durch alle internen Qualitätsschleusen kommt, lässt nur zwei Varianten zu, und beide sprechen nicht für das SEM. Variante eins: Die Verantwortlichen und Vorgesetzten bis hinauf zu Staatssekretär Vincenzo Mascioli decken die ungeheuerliche Aussage und sind tatsächlich der Meinung, wer à la Joung Gustav sich eine kritische Meinung zur Asylpolitik erlaube, sei ein völkisch angehauchter Nazi, denn auf dieses Totschlagetikett zielt der Begriff letztlich ab.
Variante Nummer zwei: Die Kommunikationssoldaten des SEM können schalten und walten und schimpfen und verunglimpfen wie sie wollen, das Kader und der General an der Spitze des Staatssekretariats haben sie nicht im Griff.
Das Mindeste, was man vom SEM nach dieser entlarvenden Kommunikationspanne erwarten dürfte, wäre eine öffentliche Entschuldigung an die Adresse von Joung Gustav. Und die Sicherstellung, dass eine derartige Fehlleistung nicht mehr vorkommt.