In einem Interview mit Fernsehen SRF nahm Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider zu den steigenden Krankenkassenprämien unter anderem folgendermassen Stellung: «Man muss schon sehen, dass wir ein sehr gutes Gesundheitssystem haben, und die Leute haben Vertrauen in dieses System.» In der Realität machen die Menschen häufig aber eine andere Erfahrung.
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Die Pendlerzeitung 20 Minuten berichtete in den letzten Tagen, dass aufgrund eines Fehlers in einem Labor eine falsche Frau operiert worden war. Sie erhielt eine Krebsdiagnose vom Unispital Basel und liess sich deshalb einen Teil des Gebärmutterhalses entfernen. Hinterher stellte sich heraus, dass die Probe vertauscht worden war. Ihr Gebärmutterhals war frei von Krebszellen. Ein Skandal.
Wer denkt, das seien Ausnahmen, der sollte die «Kassensturz»-Sendung vom 16. September zum Thema «Zu wenig Operationen für angehende Chirurgen» anschauen. Wer das gesehen hat, überlegt sich hinterher zweimal, ob er sich operieren lassen will. Ein beängstigender Teil des Mediziner-Nachwuchses kommt gar nicht auf die notwendigen Fallzahlen, um bei bestimmten OPs eine Routine zu entwickeln. Das Risiko wird dadurch grösser, das Vertrauen in den Arzt kleiner.
In der letzten «Sonntalk»-Runde von Tele Züri berichtete SVP-Nationalrat Thomas Matter (ZH) im Zusammenhang mit den erneut steigenden Krankenkassenprämien aus einer persönlichen Erfahrung. Er erzählte, dass er mit seiner Mutter ganze sechs Stunden im Notfall warten musste und seine Mama deswegen fast gestorben wäre.
Es kann schon sein, dass wir einst eine qualitativ hohe medizinische Versorgung hatten. Doch es ist augenscheinlich, dass unser Gesundheitswesen – wie andere Infrastruktur-Einrichtungen auch – aufgrund des Bevölkerungswachstums an seine Grenze gestossen ist.
Wir bezahlen immer mehr Prämien für einen schlechter werdenden Service – obwohl uns die Gesundheitsministerin weismachen will, Qualität und Versorgung seien hochklassig.