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Sony-Boss Michael Lynton wollte in Hollywood zur «coolen Gang» gehören, also machte er den «grössten Fehler» seiner Karriere

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Sony-Boss Michael Lynton wollte in Hollywood zur «coolen Gang» gehören, also machte er den «grössten Fehler» seiner Karriere
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Der Fall liegt über zehn Jahre zurück und war monatelang in den Schlagzeilen, jetzt äussert sich der damals verantwortliche Sony-Studio-Boss Michael Lynton, 66, in seiner Autobiografie zur Affäre, die das Unternehmen nachhaltig beschädigt hat. Er nennt es den «grössten Fehler seines Lebens».

Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
Logo Sony.
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In der Blödelkomödie «The Interview» mit den Hollywoodstars Seth Rogan und James Franco geht es um Journalisten, die zusammen mit der CIA einen Anschlag auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un verüben. Der Film feierte im Dezember 2014 Premiere, kam aber wegen Drohungen von nordkoreanischer Seite nicht wie geplant ins Kino, Sony veröffentlichte ihn nur im Internet.

Am 24. November war es bei Sony in Culver City zu einem Hacker-Angriff gekommen, der laut Lynton rund 70 Prozent der Studio-Server lahmlegte. Die E-Mail-Software fiel aus, vertrauliche Drehbücher, darunter eines des neuen «James Bond»-Films, und interne Kommunikation gelangten ins Netz, ebenso persönliche Daten von Mitarbeitern und Lyntons Familie. Stars wie Adam Sandler oder Angelina Jolie distanzierten sich, und es kam zu erheblichen finanziellen Einbussen.

Das FBI leitete Ermittlungen ein und kam zum Schluss, dass Nordkorea hinter der Attacke stehe – als Vergeltung für den Film, in dem ein Attentat auf den Machthaber satirisch dargestellt wird.

Lynton sieht die Entscheidung, dem Film grünes Licht gegeben zu haben, emotional motiviert. Der Wunsch, anerkannt zu werden, habe sein Urteilsvermögen getrübt. Er beschreibt, wie er als Kind, der mit seinen Eltern von New York ins holländische Wassenaar gezogen war, darunter gelitten hatte, nie zu Partys eingeladen worden zu sein. «Ich kann mich daran erinnern, wie ich an einem Samstagabend laute Musik aus einem Nachbarhaus hörte und wusste, dass viele meiner Klassenkameraden ohne mich Spass hatten.»

Als Studioboss in Hollywood war seine Befindlichkeit nicht viel anders. Er hatte zwar das Sagen, doch: «In Hollywood gibt es immer eine weitere Absperrung. Egal, wie exklusiv die Party ist, es gibt immer eine Hackordnung, und die coolsten Leute – die Schauspieler – halten sich in einem Raum auf, der für andere tabu ist. […] Ich war einmal bei Bryan Lourd, einem einflussreichen CAA-Agenten, zu Hause zu seiner jährlichen Oscar-Party. Daniel Craig, Leonardo DiCaprio und Sandra Bullock hatten alle viel Spass – sie tranken, lachten und sangen. George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon standen in einem engen Kreis und unterhielten sich. Ich hatte Clooney in dieser Woche im Studio gesehen und ging hin, um mich an der Unterhaltung zu beteiligen. Obwohl sie höflich waren, machten sie mir klar, dass ich einfach nicht dazugehörte. Ich war an der Spitze der Filmindustrie und hatte dennoch das Gefühl, von einem Klappstuhl in Wassenaar aus zuzusehen», schreibt Lynton.

Im Vorfeld zu «The Interview» trafen sich die Schauspieler und das Studiomanagement zum sogenannten table read. Dort wird das Drehbuch jeweils ab Blatt – ohne Kameras – vorgespielt. Lynton: «Während der Leseprobe beobachtete ich, wie alle anderen Teilnehmer das Drehbuch auf eine bestimmte Weise sahen – als brillante Komödie, die auf früheren Erfolgen eines bestimmten Genres aufbaute. Für einen Moment wollte ich mich der coolen Gang anschliessen, die subversive Filme drehte. Für einen Moment wollte ich – als Gleichberechtigter – mit den Schauspielern abhängen. Ich war es leid, den verantwortungsbewussten Erwachsenen zu spielen und die Party von aussen zu beobachten, während ich Risiko spielte. […] Mein Mittelschul-Ich übernahm die Kontrolle, und mein Erwachsenen-Ich verlor den Mut, die anderen Kinder zu enttäuschen. Die Party geriet ausser Kontrolle, und das Unternehmen, seine Mitarbeiter, meine Familie und ich mussten dafür teuer bezahlen.»

Michael Lyntons Buch «From Mistakes to Meaning: Owning Your Past So It Doesn’t Own You» erscheint Ende Februar in den USA.

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