Die slowakische Regierung hat einen «Erdölnotstand» ausgerufen und will staatliche Ölreserven für die Raffinerie Slovnaft freigeben. Dies berichtet die Nachrichtenagentur TASR. Die Massnahme tritt am Donnerstag in Kraft und soll sicherstellen, dass die Tankstellen im Land weiter versorgt werden.
Seit Ende Januar fliesst kein Erdöl mehr über die Druschba-Pipeline durch die Ukraine aus Russland. Die Slowakei und Ungarn waren bisher stark von dieser Lieferroute abhängig. Slovnaft, mehrheitlich im Besitz des ungarischen Energiekonzerns MOL, hat in der Slowakei eine faktische Monopolstellung bei der Versorgung mit Benzin und Diesel.
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Die Raffinerie kann inzwischen Erdöl über die Adria-Pipeline aus Kroatien beziehen. Laut Slovnaft wird es jedoch 20 bis 30 Tage dauern, bis diese Kapazitäten vollständig genutzt werden können. Der Staat will diese Übergangszeit mit der Freigabe von Notfallreserven überbrücken. Gleichzeitig kündigte Slovnaft an, seine Erdöl-Hilfslieferungen an die Ukraine vorerst einzustellen, da das gesamte verfügbare Öl für die eigene Versorgung benötigt werde.
Nach Angaben der Ukraine wurde die Druschba-Pipeline durch russische Angriffe beschädigt. Der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha veröffentlichte auf X ein Foto von Löscharbeiten und warf Ungarn vor, den Vorfall zwei Wochen vertuscht zu haben, um Russland zu schützen. Ungarn wies dies zurück und beschuldigte die Ukraine, die Stromversorgung für den Pipeline-Abschnitt unterbrochen zu haben. Auch der slowakische Premierminister Robert Fico wirft der ukrainischen Regierung vor, die Wiederaufnahme der Lieferungen absichtlich zu blockieren.