Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Sieben Sekunden Schweigen: Wer die deutsche Regierung fragt, ob vielleicht die USA hinter dem Nord-Stream-Terror stecken könnten, dem weht ein Wind von «Abscheu und Empörung» entgegen

Sieben Sekunden Schweigen. Sieben Sekunden sitzt Steffen Hebestreit vor Medienvertretern auf der Bundespressekonferenz und schweigt. Sieben Sekunden Schweigen nach einer Frage von Florian Warweg, Journalist der Nachdenkseiten.

In diesen sieben Sekunden zeigt sich dem Betrachter der Szene das ganze Elend im Hinblick auf Bundesregierung und Nord-Stream-Sprengung. Es ist, als hätte sich für diesen Moment die politischen Abgründe, die diesen Terrorakt umgeben, im Gesichtsausdruck von Hebestreit manifestiert. Warweg fragte den Regierungssprecher: «Liegen der Bundesregierung denn zumindest Informationen vor, die es ermöglichen würden, ausschliessen zu können, dass der Wertepartner in Washington dafür [für die Sprengung] verantwortlich war?»

In this picture provided by Swedish Coast Guard, the gas leak in the Baltic Sea from Nord Stream photographed from the Coast Guard's aircraft on Wednesday, Sept

Nach sieben Sekunden Schweigen zeigt sich Hebestreit schockiert und antwortet: «Da fällt mir jetzt nicht mehr viel ein, ehrlich gesagt.» Und weiter: «Also wenn Sie jetzt ein Narrativ verbreiten wollen … Ich würde das mit Abscheu und Empörung zurückweisen. Ich weiss, worauf Sie hinauswollen.»

Es ist eine verstörende Antwort, die auf eine bemerkenswerte Weise zu dem nicht weniger verstörenden Schweigen passt. Hebestreit empfindet die Frage Warwegs als Ungeheuerlichkeit. Doch was ist in dieser Szene wirklich ungeheuerlich?

Warwegs Frage impliziert, dass eventuell der Hauptpartner Deutschlands, die USA, diesen Terrorakt direkt oder indirekt gegen Deutschland durchgeführt hat. Nur drei Gesichtspunkte. Erstens: US-Präsident Joe Biden drohte offen im Februar 2022, wenn Russland in der Ukraine einmarschieren würde, wäre das das Ende für Nord Stream 2. Wenn es zu einer russischen Invasion kommen sollte, «wird es kein Nord Stream 2 mehr geben. Wir werden dem ein Ende setzen». Auf Nachfrage, wie die USA dem ein Ende setzen wollten, antwortete Biden: «Ich verspreche Ihnen, dass wir es schaffen werden.»

Zweitens: Es war im Oktober 2013, als ein Satz von Angela Merkel durch die Berichterstattung ging: «Abhören unter Freunden, das geht gar nicht.» Zu diesem Zeitpunkt war bekannt geworden, dass die USA, genauer gesagt der Geheimdienst National Security Agency, wohl das Handy der Kanzlerin angezapft hatten. Schon damals hielt sich die deutsche Regierung auffällig zurück, fast handzahm hiess es: Abhören sei «inakzeptabel».

Wenn es ein «Abhören unter Freunden» gibt, gibt es dann vielleicht auch ein «Sprengen unter Freunden»?

Wenn der US-Präsident persönlich sagt, Nord Stream 2 werde unter den genannten Umständen beendet: Ist die Frage von Warweg so absurd? Selbst der US-Investigativjournalist Seymour Hersh sprach von einer US-Verantwortlichkeit. Was auch immer der Fall ist: Der grösste Terroranschlag auf die zentrale Energie-Infrastruktur Deutschlands stinkt. Und das hat nichts mit den Fischen in der Ostsee zu tun.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 31.03.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.