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Die üblichen Weihnachtssongs verstopfen mal wieder die Hitlisten, Songs von Mariah, Michael Bublé und Brenda Lee – und dann gibt es noch Sias «Snowman», der erstmals 2017 auf ihrem achten Studioalbum, «Everyday Is Christmas», veröffentlicht wurde. Ein Weihnachtsalbum von Sia ist nicht das übliche Festtagsgesülze, sondern spiegelt wider, dass Weihnachten in Wirklichkeit ein Feiertag ist, an dessen Ende viele Leute besoffen und enttäuscht sind, oder, um Sias Song «Chandelier» zu zitieren: «Eins, zwei, drei, eins, zwei, drei, ex / Sauf, bis dir das Zählen vergeht.»

MONICA DAVEY / KEYSTONE
epa05529256 Australian singer Sia performs at the end of the Apple launch event at the Bill Graham Civic Auditorium in San Francisco, California, USA, 07 September 2016
MONICA DAVEY / KEYSTONE

Sia ist eine Spezialistin für sogenannte sad bangers, also Songs, in denen ein tanzbarer Beat mit bitterem Hedonismus und einer Prise Selbsthilfe verquickt wird, wie beispielsweise «Unstoppable» («Ich bin ein Porsche ohne Bremsen») oder «Titanium» («Ich bin kugelsicher und hab nichts zu verlieren»). Sie werden gern für Parfümwerbung verwendet, was Sia noch reicher und wahrscheinlich auch glücklicher macht, allerdings hat sie vielleicht wie Adele ein extrem gutes Gedächtnis für Elendssituationen, die sich in klingende Münze umsetzen lassen.

Sie ist aber auch auf eine sehr australische und unamerikanische Weise witzig. Über ihr Album «Some People Have Real Problems» sagte sie: «Während der Aufnahmen jammerten immer wieder Leute über den Verkehr, und da hab ich ihnen gesagt: ‹Manche Leute haben echte Probleme. Leute, die auf eine Spenderlunge warten beispielsweise.› Ich dachte, wenn ich reich und erfolgreich würde, würde ich mich daran erinnern und kein Arschloch werden. Doch jetzt bin ich eines. Es hat also nicht geklappt.»

Um ihre Privatsphäre zu wahren und ihr Gesicht nicht zu zeigen, liess sie an ihrer Stelle in vielen Videos die junge Tänzerin Maddy Ziegler auftreten. Doch wäre es besser, sie fände eine Stellvertreterin für ihre Stimme. Der grosse Rockkritiker Robert Christgau schrieb anlässlich von Sias sechstem Album, «1000 Forms of Fear»: «Meisterhafte Hooks, doch ein Gesangsstil, der sich viel zu wichtig nimmt.» Ähnlich wie Adele klingt sie am ehesten wie ein nachdenklicher Elch, über den alle Arten von Katzenjammer gleichzeitig hereinbrechen.

Vor einiger Zeit wurde «Snowman» für Tiktok-Wettbewerbe verwendet: User sollten ein vierzig Sekunden langes Stück des Songs singen, ohne Atem zu holen. Ironischerweise klangen viele von ihnen besser als Sia selbst. Doch Songs schreiben kann sie: «Diamonds», gesungen von Rihanna, ist eines der grössten Liebeslieder in der Geschichte der Popmusik. Wir nehmen als selbstverständlich hin, dass Tänzer Choreografen und Schauspieler Drehbuchautoren haben. Wie schön wäre es auf dieser Welt, wenn man sich auch damit abfände, dass Songwriter nicht unbedingt die besten Interpreten ihrer Werke sind.

Aus dem Englischen von Thomas Bodmer

Dieser Text erschien erstmals in der Ausgabe vom 21. Dezember 2022.

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