Im Fall des Lehrers Oziel Inácio-Stech, der an der Carl-Bolle-Grundschule in Berlin-Moabit angeblich über Monate hinweg wegen seiner Homosexualität gemobbt worden ist, kommen neue Details ans Licht. Wie die Welt berichtet, ist ein ausführlicher Beschwerdebrief bereits im Dezember 2024 im Büro von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch eingegangen – gelesen hat sie ihn jedoch erst im Mai 2025, nach öffentlicher Berichterstattung. Der Brief war persönlich adressiert und schilderte laut DPA auf neun Seiten konkrete Vorfälle sowie das mutmassliche Versagen von Schulleitung, Schulaufsicht und Verwaltung. Besonders brisant: Die Bearbeitung übernahm ausgerechnet jener Mitarbeiter, dem der Lehrer in dem Schreiben Befangenheit vorwirft.
Mit einem Interview in der Süddeutschen Zeitung, welches im vergangenen Mai veröffentlicht wurde, machte Inácio-Stech den Mobbingfall erstmals öffentlich. Der Lehrer beklagte homophobe Beleidigungen durch muslimische Schüler und Schikane durch eine Kollegin. Er sprach von einem «Systemversagen» und erhob schwere Vorwürfe gegen die Berliner Bildungsbehörden. Die Weltwoche berichtete.
Bildungssenatorin Günther-Wünsch verweist auf gesetzliche Zuständigkeiten und bestreitet ein Fehlverhalten. Als «Person des öffentlichen Lebens» könne sie nicht jeden Brief lesen, betonte die CDU-Politikerin. Doch der politische Druck wächst – auch wegen der Frage, ob der Fall korrekt und unvoreingenommen behandelt worden ist.