Es war gut, dass die Kanzlerrede auf der Sicherheitskonferenz von Pathos nur so triefte. Sonst hätte man sie für eine Büttenrede halten können – so prall gefüllt war sie mit unfreiwilliger Komik.
Was er nicht alles will. Europas «militärisches, politisches, ökonomisches und technologisches Potenzial heben». Massiv investieren. Vor allem in die Verteidigung. Einen «selbsttragenden Pfeiler» der Nato. Die Ostfront stärken. Einen Nuklearschirm aufspannen.
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Der helle Wahnsinn. Leider vergass Merz einen wichtigen Punkt, den der alte Karnevalsschlager erwähnt: «Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Pinkepinke, wer hat so viel Geld?»
Europa ist pleite, kann seine ausufernden Sozialkosten nicht bedienen, die Migration nicht finanzieren, das Mündel Kiew nicht bei Laune halten.
Aber Merz kann das. Er kann auch noch mehr. Die «übermässige Abhängigkeit» von den USA, «diese Unmündigkeit» Europas «hinter uns lassen, lieber heute als morgen».
Also kein Netflix, kein Avis, kein Microsoft, kein Apple, kein American Express? Von Flüssiggas und anderen Notwendigkeiten ganz zu schweigen? Europa hat es ja noch nicht einmal geschafft, ein eigenes Google aufzubauen.
Spätestens hier hätte das Publikum lachen müssen. Tat es aber nicht. Nun ja, es gab auch kein Orchester, das jeden Witz mit einem Tusch quittiert.