Gewöhnt hat man sich nicht daran. Aber inzwischen weiss man, dass Friedrich Merz den herablassenden Manager-Führungsstil von Blackrock ins Kanzleramt mitgebracht hat.
Was man noch nicht so wusste: Er neigt offenbar zu Grössenwahn.
Als Einstimmung für seine Rede auf dem CDU-Parteitag liess er ein Video über Konrad Adenauer laufen. Adenauer! Jener Kanzler, der parteiübergreifend von den Deutschen als Heiliger verehrt wird.
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Mit wem vergleicht sich Merz als Nächstes? Otto von Bismarck? Karl der Grosse?
In seiner Rede freilich buk er kleine Brötchen. Er rollte sich zwar nicht im Staub vor seiner Partei, die alles andere als glücklich mit ihm ist. Aber den einen oder anderen Teelöffel Asche streute er sich doch aufs schüttere Haupthaar.
Nein, nicht alle Deutschen seien stinkfaul, da hätten die Leute was in den falschen Hals bekommen. Deutsche seien «Schaffer und Macher». Eigentlich so wie er. Obschon er leider, leider bisher nicht so habe liefern können, wie er das im Wahlkampf vollmundig versprochen hatte. Hm, an wem das wohl liegen könnte? Verriet er nicht.
Ach ja, die Sache mit der Megaverschuldung mithilfe eines abgewählten Bundestages, ehrlich, das sei ihm echt nicht leichtgefallen, gab sich Merz zerknirscht. Aber nun sind sie halt da, die Schulden. Ex-Kanzlerin Angela Merkel in der ersten Reihe dürfte süffisant gelächelt haben.
Was er konkret vorhat, wie er es umsetzen, gegen den Partner SPD durchboxen, die AfD kleinhalten und die CDU wieder gross machen will – das alles erfuhren die Delegierten nicht. Es ist ein bisschen wie mit Heiligen: Man muss an sie glauben.
Vor dem Parteitag hatte der 70-jährige Merz launig fallen gelassen, dass er noch lange weitermachen wolle – und die guten familiären Gene ins Spiel gebracht. Sein Vater sei gerade 102 geworden.
Wow! Wenn er das schaffen würde, hätte er wenigstens in diesem Punkt die Nase vor Adenauer.