Ein Vorstoss aus Brüssel sorgt bei Schweizer Weinbauern für Unmut: Künftig sollen auch auf Weinflaschen Kalorienangaben verpflichtend sein – eine Regel, die aus Sicht der EU der Transparenz und dem Konsumentenschutz dient. Die Schweiz könnte nachziehen, wenn das Landwirtschaftsabkommen mit der EU neu verhandelt wird. Doch der Widerstand formiert sich bereits, wie die NZZ am Sonntag berichtet.
«Wer zählt beim Weinkauf schon die Kalorien?», fragt der Aargauer Mitte-Nationalrat und Winzer Andreas Meier. Er warnt vor einem «grossen Aufwand und Kostentreiber für Kleinbetriebe». Für jede Rebsorte müssten Laboranalysen durchgeführt und individuelle Etiketten gedruckt werden, sagte Meier der NZZ am Sonntag.
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit begrüsst die Initiative. Auch SP-Nationalrätin Andrea Zryd argumentiert, eine Flasche Wein könne schnell mehr Kalorien enthalten als eine Tafel Schokolade. Versteckte Kalorien seien ein ernsthaftes Problem in einer Gesellschaft, in der Übergewicht längst zur «gravierendsten Volkskrankheit» geworden sei.
Die Weinbranche sieht sich jedoch nicht zum ersten Mal mit überbordender Regulierung konfrontiert. Bereits im Vorjahr wehrten sich Winzer gegen eine neue EU-Vorgabe zur Anreicherung von Traubenmost mit Zucker. Und auch neue Empfehlungen des Bundes zum Alkoholkonsum, die sich an der WHO orientieren, stossen auf Kritik. Mitte-Ständerat Benedikt Würth nennt das «bevormundend»: «Es ist nicht die Aufgabe des Staates, moderaten Alkoholkonsum zu verteufeln.»