Am Freitag wurde in Zürich der Schweizer Filmpreis vergeben. Die Filmakademie zeichnete «Heldin» von Petra Volpe als besten Spielfilm 2026 aus. Die Handlung erzählt vom Alltag einer Pflegefachfrau in einem Krankenhaus auf der Onkologie-Station, der aufgrund einer personellen Unterbesetzung ein schwerer Fehler passiert.
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Für das gesamte Filmteam ist der Preis eine tolle Würdigung. Sogar Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider nahm in ihrer Funktion als Kultur- und Gesundheitsministerin an der Preisverleihung teil. Der prämierte Streifen lenkt wieder einmal die Aufmerksamkeit auf den Notstand an Pflegepersonal in Gesundheitseinrichtungen.
Doch was nützt es, wenn sich trotzdem keine Besserung einstellt?
Die sogenannte Pflegeinitiative wurde im November 2021 mit 61 Prozent Ja-Stimmen deutlich angenommen. Aber die Umsetzung ist ein richtiger Knorz. Seit fünf Jahren wird im Parlament über Massnahmen gestritten, insbesondere über Arbeitsstunden und gerechte Entlöhnung, ohne dass ein Ende der politischen Auseinandersetzungen in Reichweite rückt.
Es ist schön und gut, wenn die Kulturministerin den Filmschaffenden applaudiert, aber es wäre angezeigt, dass sie als Gesundheitsministerin endlich dafür sorgt, dass die Spitäler und andere Pflegeeinrichtungen über genügend Personal verfügen.
Gefordert sind Verbesserungen, damit dieser physisch und psychisch anspruchsvolle Beruf mit Schicht- und Sondereinsätzen an Attraktivität gewinnt. Gerade Quereinsteigerinnen, die sich zu Pflegehelferinnen ausbilden lassen, verdienen bei einer Vollzeitanstellung ein Einstiegssalär von etwa 45.000 Franken pro Jahr – das ist alles andere als ein fairer Lohn.
Statt ständig nach Fachkräften im Ausland Ausschau zu halten, sollte man diese Pflegejobs endlich so ausgestalten und entlöhnen, dass sie auch für Schweizerinnen und Schweizer wieder interessant sind. Denn pflegen möchten viele, aber man sollte davon auch leben können, Frau Baume-Schneider.