Die Schweiz wird gemäss dem jährlichen «Competitiveness Report» 2025 wieder als wettbewerbsfähigstes Land der Welt eingestuft, nachdem das Land nach der letztmaligen Spitzenrangierung im Jahr 2021 temporär 2023 auf Rang drei abgerutscht war.
In den bewerteten vier Bereiche Wirtschaft, Bildung, Gesellschaft und Nachhaltigkeit schneidet die Schweiz unter den 69 erfassten Ländern in der Wirtschaft und im Bildungswesen spitzenmässig ab, aber auch bei der Nachhaltigkeit (Rang 4) und der Gesellschaft (Rang 8) gehört die Schweiz weltweit zu den führenden Ländern. Mittelmässig bis schlecht rangiert die Schweiz bezüglich Beschäftigung – gemeint ist wohl der Fachkräftemangel (Rang 25) – und Preisniveau (Rang 65).
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Als Herausforderungen für die Schweiz sehen die IMD-Forscher den Trend zum Protektionismus und den Zerfall multinationaler Handelssysteme. Die Schweiz wird ihre Handelsbeziehungen weiter diversifizieren müssen. Das Land muss sich anstrengen, die bis anhin effiziente und wirtschaftsfreundliche Regulierung im Inland abzusichern. Der inländische Wettbewerb müsse gestärkt und die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen und der Altersvorsorge verbessert werden.
Die traditionellen Stärken wie Pragmatismus und eine geringe Regulierungsdichte würden die Schweiz krisenfester als grosse Nachbarn machen. Dazu trüge zudem der Fokus auf Zukunftstechnologien, die Intensivierung des internationalen Austauschs sowie die Pflege traditioneller Schweizer Werte bei. Im sektoriellen Vergleich fallen die Bestnoten für die staatliche Effizienz und die Infrastruktur auf. Wenn man allerdings die staatliche Effizienz in der Realität erlebt, dann schneidet die Schweiz wohl deswegen gut ab, weil die anderen Länder über noch schwerfälligere Verwaltungsapparate verfügen. Auch in der Schweiz hat die Beschäftigtenzahl beim Staat in den letzten Jahren weit stärker zugenommen als in der Wirtschaft.
Vergleicht man die Schweiz mit unseren Nachbarländern, dann stellt man fest, dass Italien bei weitem nicht so gut dasteht, wie man vielleicht glauben könnte. Ineffizienzen beim Staat und in der Privatwirtschaft sind weitverbreitet, und die Infrastruktur scheint in einem noch schlechteren Zustand zu sein als in Deutschland.
Auch in Frankreich mangelt es beim Staat und in der Privatwirtschaft an der nötigen Effizienz, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Deutschland hat sich zwar von Rang 24 2024 auf Rang 19 vorgeschoben, bleibt aber Mittelmass. Als Gegenmedizin wird eine bessere Ausbalancierung von Sozialleistungen und persönlicher Verantwortung, eine Erhöhung der Arbeitszeit und eine Reduktion der Sozialleistungen empfohlen. Die Immigrationspolitik müsse überdacht und auf Leute beschränkt werden, die arbeitswillig seien und die notwenigen Fachkenntnisse besässen. Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung müsse beschleunigt und wieder ein Umfeld geschaffen werden, das ausländische Direktinvestitionen anziehe. Dazu gehöre auch eine Qualitätssteigerung an den Schulen und Universitäten. Im Ranking der Steuerbelastung liegt das Land auf Rang 61 von 69 Ländern. Es lohnt sich angesichts der hohen Steuerbelastung und der zu grosszügigen Sozialleistungen kaum mehr zu arbeiten. Die traditionellen Werte und die Geisteshaltung zur Leistung in der Privatwirtschaft sind erodiert.
Fast noch dramatischer als in Deutschland verschlechtert sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs, das seit 2021 von Platz 19 auf Rang 26 zurückgefallen ist. Die Energiefrage scheint dabei ein lähmender Faktor zu sein, denn die Politik ist in dieser Frage uneins, und bei der Erdgasversorgung (2024: zirka 15 Prozent der Energieversorgung) fehlt es an diversifizierten, alternativen Bezugsquellen. Die immer noch nicht bewältigte Inflation und die hohen Einkommenssteuern lähmen den Privatkonsum. Dringende Reformen des Pensions- und Gesundheitssystems lassen auf sich warten. Das Bildungswesen muss reorganisiert werden, denn in der heutigen Form ist es teils mit der Integration von Migrantenkindern überfordert. Bezüglich der Staatsfinanzen ist das Land nicht einmal mehr Mittelmass, und im Ranking der Steuerbelastung liegt Österreich auf Platz 64 von 69 Ländern.
Auch die USA haben einen Rücksetzer von Rang 9 (2023) auf 13 hinnehmen müssen. Die Preise beziehungsweise die Inflation sind dabei nicht der einzige Grund. Die maroden Staatsfinanzen sind eine grosse Belastung, aber auch bei den meisten übrigen Kriterien ist das Land ins Mittelfeld abgerutscht. Die Nummer eins ist das Land aber immer noch in der Gewinnorientierung seiner Privatwirtschaft.