Ingmar Bergman (1918–2007) wird verehrt. Von Woody Allen bis Quentin Tarantino geraten Filmemacher und Connaisseurs ins Schwärmen, wenn sie vom schwedischen Regiemeister («Szenen einer Ehe») sprechen. 1997 wurde er am Filmfestival von Cannes als «Bester Filmregisseur aller Zeiten» geehrt. Und nun das.
Der schwedische Starschauspieler Stellan Skarsgard, hochprofiliert, bekannt aus verschiedenen Hollywood- und Arthouse-Filmen («Thor», «Breaking the Waves»), nennt Bergman einen «Nazi».
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Wie Variety berichtet, äusserte sich Skarsgard, 74, am tschechischen Karlovy-Vary-Filmfestival wie folgt über seinen Landsmann: «Meine Beziehung zu Bergman ist kompliziert, weil er kein wirklich netter Mensch war. Er war ein guter Regisseur, aber man kann jemanden trotzdem als Arschloch bezeichnen. Caravaggio war wahrscheinlich auch ein Arschloch, aber er malte grossartige Bilder.»
Und: «Bergman war manipulativ. Er war während des Kriegs ein Nazi und die einzige Person, die ich kenne, die geweint hat, als Hitler starb. Wir haben ihn (Bergman, die Red.) bisher immer entschuldigt, aber ich glaube, dass er eine sehr seltsame Sicht auf andere Menschen hatte. (Er glaubte) manche Leute seien es nicht wert. Man spürte dies, wenn er andere manipulierte. Er war nicht nett.»
Es war allerdings nicht das erste Mal, dass Skarsgard gegenüber Bergman zur Nazi-Keule griff. Bereits in einem Interview mit dem Kulturmagazin Cicero äusserte er sich 2015 in ähnlicher Weise.
Skarsgard drehte mit Bergman 1983 die Molière-Verfilmung «Die Schule der Frauen» fürs schwedische Fernsehen. Er war damals 32 Jahre alt, Bergman 65.
Woher Skarsgard weiss, dass Bergman bei Hitlers Tod geweint haben soll, ist nicht klar. 1945 war Skarsgard noch nicht geboren.