Mitten im Sommer setzt es einen eisigen Schlag: Die USA verhängen 39 Prozent Zoll auf zahlreiche Schweizer Produkte – so hoch wie gegen kein anderes westliches Land. Uhren, Maschinen, Medikamente, sogar Schokolade – alles plötzlich Luxusgut mit Strafsteuer. Die Reaktion in der Schweiz: Entsetzen. Die Reaktion im Ausland: eine Mischung aus Mitleid, Häme und Analyse.
Politische Beobachter in Washington zeigen sich erstaunt – vor allem über Ausmass und Plötzlichkeit der Massnahme. Das Wall Street Journal schreibt von einem «Schlag ins Gesicht», der die Schweiz als neutrales Land völlig unvorbereitet treffe: «Die Schweiz gerät unversehens ins Kreuzfeuer eines neuen Handelskriegs.»
Noch deutlicher wird die Nachrichtenagentur Reuters: «Die Zölle entbehren jeder rationalen Grundlage und sind vollkommen willkürlich. Sie werden die Schweizer Industrie hart treffen.»
Einige internationale Medien kommentieren die Lage mit spitzer Feder. Die britische Financial Times senkte schon mal vorsorglich die Wachstumsprognose für die Schweiz – von 1,1 auf 0,9 Prozent – und meldete: «Bern sucht fieberhaft nach einem Deal, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen.»
Euronews warnt vor spürbaren Folgen auf dem Arbeitsmarkt und zitiert Ökonomen, die einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um bis zu 0,7 Prozent erwarten. Und The Economist bringt es mit typisch britischem Sarkasmus auf den Punkt: «Amerikas Zolllawine erwischt die Schweiz auf dem falschen Fuss.»
Dass die USA dabei gezielt gegen die Schweiz vorgehen, ist offensichtlich. Während andere Länder mit 10 bis 15 Prozent davonkommen, packt man bei den Eidgenossen das Doppelte bis Dreifache obendrauf.
Laut Market Watch fragen sich US-Ökonomen bereits: «Ist die Schweiz für Amerika überhaupt noch ein wichtiger Markt? Früher war sie es – heute machen Schweizer Exporte nur noch 16 Prozent des US-Handelsvolumens aus.»