Züge entgleisen in Russland, Brücken stürzen ein. Geisterhand? Verrottete Infrastruktur? Oder steckt doch der ukrainische Geheimdienst dahinter? Pardon, Partisanen. Klingt romantischer.
Ganz vorsichtig nähern sich die westlichen Medien dem Thema an. Gott bewahre, dass man Ukrainern Mord an Zivilisten vorwirft – denn das wäre der Fall, wenn russische Erkenntnisse zutreffen: Die Brücken wurden gesprengt, als Züge darüber fuhren.
RUSSIAN EMERGENCIES MINISTRY HAN / KEYSTONE
Wäre das Gleiche in der Ukraine geschehen, wäre man mit den Schuldzuweisungen nicht so zimperlich: Das ist immer und überall sofort der Russe. Konkret: Kreml-Tyrann Putin.
Ähnliche Zurückhaltung übten die Redaktionen beim Mord an dem russischen Major Zaur Gurzijew und einem unbeteiligten zweiten Mann. Sie wurden in einer Tiefgarage im russischen Stawropol von einem Sprengsatz zerfetzt. Wahrscheinlicher Urheber: Kiews Geheimdienst. Berichte in der westlichen Presse: minimal.
Sicher, Russland ist der Angreifer in diesem Krieg, die Ukraine verteidigt sich. Aber auch sie verübt Kriegsverbrechen. Aufgabe der Medien ist, darauf hinzuweisen. So aber verhindern sie, dass ihre Nutzer sich ein eigenes Bild machen können.
Das nennt man Propaganda.