Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnt vor einer Eskalation russischer Aggressionen und fordert eine entschlossene Reaktion der Nato. «Wir müssen sehr offen darüber sprechen, dass es wahrscheinlich erst der Anfang ist», sagte Frederiksen in einem Interview mit der Financial Times. Europa müsse die Bedrohung durch hybride Kriegsführung ernst nehmen – auch in Friedenszeiten.
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Anlass für die Warnung sind mysteriöse Drohnensichtungen über Dänemarks grösstem Flughafen und mehreren Militärstützpunkten. Zwar ist die Urheberschaft noch ungeklärt, doch für Frederiksen steht fest: «Russland ist unser Hauptgegner.»
Erst kürzlich hatte die Nato russische Drohnen über Polen abgeschossen – ein Novum seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Der Vorfall löste zwei Krisentreffen des Bündnisses aus und führte zur Operation «Eastern Sentry»: einer verstärkten Patrouille in Osteuropa unter Beteiligung von Dänemark, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien.
Frederiksen: «Die Idee eines hybriden Kriegs ist es, uns zu bedrohen, zu spalten, zu destabilisieren. Drohnen heute, Cyberattacken morgen, Sabotage am dritten Tag.» Mehr Ausgaben für Abwehrtechnologie allein reichten nicht.
In Kopenhagen empfängt die Premierministerin derzeit europäische Spitzenpolitiker zu zwei Gipfeltreffen – mit dabei auch Nato-Generalsekretär Mark Rutte und Vertreter aus der Ukraine. Auf dem Tisch liegt unter anderem der Vorschlag für eine «Drohnenmauer» entlang der EU-Aussengrenzen.
Dass Dänemark auf Hilfe aus dem Ausland – auch vom langjährigen Rivalen Schweden – angewiesen war, wird in Kopenhagen als unangenehm empfunden. Frederiksen jedoch relativiert: «Solche Vorfälle gibt es nicht nur in Dänemark.»