Es sind seltsame Zeiten: Früher zitterten die Börsen beim Klang der Kanonen. Heute zittern sie, wenn jemand das Wort Frieden in den Mund nimmt. Die Aktie des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall verliert und reisst die ganze Branche mit – nicht wegen schlechter Zahlen, sondern wegen guter Nachrichten: der Aussicht auf Waffenruhe.
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Das neue Börsenmonster heisst Friedensangst. Ein Wort wie ein epileptischer Seismograf. Ein Wort, das Panik vor Normalität beschreibt. Wall-Street-Zittern bei Waffenstillstand. Schweissausbruch, sobald die Welt ein bisschen weniger brennt. Die Börse hat ein neues Trauma: Es ist nicht der Krieg, sondern sein Ausbleiben. Früher fragte man: «Was, wenn sie schiessen?» Heute fragt man: «Was, wenn sie damit aufhören?»
Rheinmetall liefert Rekordzahlen, volle Auftragsbücher, eine Pipeline härter als jeder Stahlhelm – aber ein Friedensplan reicht, und die Aktie wackelt wie ein Gartenstuhl im Sturm. Der Markt reagiert wie ein Pyromane, dem man das Feuerzeug wegnimmt. Anleger haben Ängste: vor leeren Munitionsfabriken, vor stillen Produktionshallen; davor, dass man plötzlich zivile Dinge bauen müsste. Für sie ist Frieden kein erstrebenswerter Zustand, sondern ein Marktstörfaktor.
Die ehrlichste Lektion aus diesem Kurssturz ist: Der Krieg macht Rendite. Der Frieden macht Angst. Nicht die Welt ist verrückt geworden – nur unsere Erwartungshaltung: Wir sind so sehr auf Krieg gepolt, dass der Frieden wie eine Katastrophe wirkt.