Im Rahmen der Waldai-Konferenz in Sotschi stand der russische Präsident Wladimir Putin auf einem Podium Rede und Antwort. Weltwoche-Verleger Roger Köppel erhielt die Gelegenheit, ihn direkt anzusprechen. Köppel nahm dabei Bezug auf Putins Bemerkung über einen «kollektiven Westen» und stellte dessen Existenz in Frage. «Wahrscheinlich werde ich als Teil des kollektiven Westens betrachtet. Ich betrachte mich nicht als Teil eines Kollektivs. Und ich sehe keinen kollektiven Westen, aber ich sehe eine Gruppe von Politikern mit zunehmenden Problemen.» Anlässlich des von der Weltwoche organisierten Treffens zwischen dem deutschen Ex-Kanzler Gerhard Schröder und dem ungarischen Regierungschef Viktor Orbán habe er ein grosses Interesse der Menschen an geopolitischen Themen wahrgenommen, so Köppel. «Ich sehe, dass es seismische Veränderungen in Europa gibt. Die Landschaft verändert sich.» In diesem Zusammenhang erlaube er sich «eine leichte Kritik» an Putin. Grosse Macht bringe grosse Verantwortung. Der russische Präsident vernachlässige die direkte Kommunikation zu den Menschen in Europa. Putin erwiderte: «Ich halte es nicht für angemessen, mich direkt an die Bürger jener Länder zu wenden, deren Führung uns grundsätzlich ächtet und nicht bereit ist, auf die Argumente zu hören, die wir anbieten können.» Nichtsdestotrotz sprach er über Deutschland, die grüne Agenda, den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder. Seite 5, 18, 35
Den legendären Tanz auf der Mauer am 9. November 1989 und damit die Geburt des geeinten Deutschlands verpasste unser Autor Matthias Matussek, weil er, damals für den Spiegel, wegen eines Erdbebens in San Francisco beschäftigt war. Dafür bezog er kurz danach im Ostberliner «Palasthotel» Quartier, blieb mehrere Monate lang und sichtete die Trümmer, die der realsozialistische Irrtum in der Wirtschaft und in den Biografien hinterlassen hatte. Er besuchte Theater, Schulen, Betriebe, bohrte sich in Biografien und berichtete polemisch, sarkastisch, mitfühlend. Sein Buch über diese Zeit, gerade neu aufgelegt, nannte der aus der DDR stammende Spiegel-Reporter Alexander Osang soeben das «beste Buch eines Westreporters über die Wende». Seite 24
James F. Goldstein ist eine jener schillernden Figuren, die Amerika ausmachen. 1972 kaufte er für wenig Geld die spektakuläre Villa hoch über Beverly Hills, wo später der Kultfilm «The Big Lebowski» gedreht wurde. Sein extravaganter Lebensstil hievte den Geschäftsmann in prominente Kreise. Heute, mit 84, sieht er die Welt nicht mehr so rosig, seinen Schalk hat er aber behalten. Der Weltwoche erzählt Goldstein von seiner Abneigung gegenüber Donald Trump, weshalb er dank Charles Manson seine Residenz kaufen konnte und von seiner Affäre mit Hollywoodstar Jayne Mansfield. Seite 28
Der berühmteste Erpel der Welt wird dieses Jahr neunzig Jahre alt. Aus diesem Anlass hat der Taschen-Verlag einen wuchtigen Prachtband herausgebracht: «Walt Disneys Donald Duck. Die ultimative Chronik». Das Buch zeigt mit vielen bisher unveröffentlichten Zeichnungen die Entstehung, Entwicklung und Entfaltung einer unsterblichen Ikone des 20. Jahrhunderts. Der zum Jähzorn neigende Donald wurde als Antithese zur braven Mickymaus aufgebaut. Nach und nach erhielt er eine ganze Familie um sich herum und wurde zur perfekten Verkörperung des Mittelschichtamerikaners im Stress mit der Leistungsgesellschaft – und damit zur weltweiten Identifikationsfigur. Wolfram Knorr würdigt den schnatternden Donald als Weltgeist im Federvieh. Seite 50
Ihre Weltwoche

