Trotz politischer Versprechen, das umstrittene Gebäudeenergiegesetz (GEG) zu überarbeiten oder gar abzuschaffen, steuert Deutschland auf den nächsten Umsetzungsschritt des sogenannten Heizhammers zu. Ab dem 30. Juni 2026 greift in Städten mit über 100.000 Einwohnern die 65-Prozent-Pflicht: Neue Heizungen müssen dann zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Klassische Gasheizungen wären damit faktisch Geschichte, berichtet die Zeitung Die Welt.
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Die Branche reagiert mit wachsender Verunsicherung. Hersteller und Handwerksbetriebe berichten von einem dramatischen Absatzeinbruch – trotz milliardenschwerer Investitionen in Produktionskapazitäten für Wärmepumpen und geschulte Fachkräfte. Der Absatz fossiler Heizsysteme ist regelrecht eingebrochen, der von Wärmepumpen reicht laut Branchenangaben aber bei weitem nicht aus, um die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen.
Doch auf dem wichtigsten Kongress der Heizungswirtschaft blieb die Bundesregierung abwesend. Die zuständigen Ministerinnen Reiche (CDU) und Hubertz (SPD) sagten ihre Teilnahme ab. Ein Dialog mit der Branche fand nicht statt. Stattdessen zeigt sich koalitionsintern Uneinigkeit: Während im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot die Abschaffung des GEG vereinbart worden ist, plädiert etwa SPD-Fraktionsvize Armand Zorn dafür, am 65-Prozent-Ziel festzuhalten.
Die Politik hinke ihren Ankündigungen hinterher, so der Vorwurf aus der Wirtschaft. Ohne klare Signale wachse die Zurückhaltung bei Investitionen, kritisiert der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie. Der Geschäftsklimaindex der Branche ist laut Herbstumfrage auf den tiefsten Stand seit fünfzehn Jahren gefallen.