Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat als erster Regierungschef des Landes den Völkermord an den Armeniern offiziell anerkannt. In einem Podcast mit dem US-Geschäftsmann Patrick Bet-David erklärte Netanjahu auf die Frage nach der fehlenden Anerkennung des Genozids: «Habe ich soeben getan. Bitte sehr.»
ABIR SULTAN
Die Aussage erfolgt nicht zufällig, berichtet die Bild-Zeitung. Sie wird weithin als diplomatische Retourkutsche gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gewertet, der Israel regelmässig scharf kritisiert und eng mit der Hamas kooperiert. Für Erdogan ist die Völkermordfrage ein rotes Tuch – die Türkei bestreitet bis heute, dass es sich bei den Massakern an bis zu 1,5 Millionen Armeniern 1915/16 um einen gezielten Genozid gehandelt habe.
Historiker sehen dies anders: Die Deportationen ins syrische Deir-ez-Zor-Gebiet, Massenmorde und Hungermärsche gelten als systematische Vernichtung. Der polnische Jurist Raphael Lemkin prägte auf Basis dieser Ereignisse überhaupt erst den Begriff «Genozid».
Israel hatte eine offizielle Anerkennung bislang stets vermieden, aus Rücksicht auf die einst engen, inzwischen abgekühlten Beziehungen zur Türkei.