Fünf Billionen Dollar: Wenn sie gerecht unter der Weltbevölkerung verteilt würden, erhielte jeder Mensch etwa 625 Dollar. Fünf Billionen: Ein komplettes Land wie Finnland mit einem geschätzten Bruttoinlandsprodukt von 320 Milliarden Dollar liesse sich fünfzehn Mal dafür kaufen. Fünf Billionen: Das ist die Zahl, die entsteht, wenn der Kapitalismus einmal kurz den Verstand verliert. Früher brauchten Unternehmen Jahrzehnte dafür, ihren Wert zu verdoppeln. Nvidia macht das im Dreimonatstakt. Vor Corona noch ein bodenständiger 400-Milliarden-Zwerg, heute: Weltmacht im Siliziumformat und seit heute zum ersten Mal fünf Billionen Dollar wert. Das hat noch keiner geschafft.
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Warum dieser Höhenflug? Ganz einfach: Nvidia baut die Chips, die die KI braucht, um so richtig Vollgas zu geben.
Die Serverfarmen von Amazon bis Coreweave reissen sich darum, und Nvidia-Chaf Jensen Huang verkündet nebenbei Halbe-Billion-Dollar-Auftragsbücher, als würde er vom Wocheneinkauf sprechen. Ach ja, und schnell noch wie gestern einen Teil von Nokia kaufen – nicht weil man es braucht, sondern weil man es kann. Anleger werden Millionäre. Analysten singen Hosianna. Milliardeninvestitionen in Open AI? Kein Problem für Nvidia, wenn der eigene Kurs täglich neue Milliarden ausspuckt. Wer so viel Geld hat, kann sich seine Kunden eben kaufen – oder zumindest deren Zukunft.
Doch Vorsicht – die Risiken liegen offen herum wie vergessene Passwörter: Da ist eine Technologieblase, von der alle glauben, sie wachse ewig. Da gibt es Kunden, die auf Pump investieren. Und das Ganze spielt sich ab vor der Kulisse eines geopolitischen Tanzes auf dem Vulkan: China zum Beispiel darf die neuesten Chips nicht kaufen, was den US-Exportkontrollen geschuldet ist. Der Nvidia-Umsatz dort ist zusammengebrochen.
Vor allem aber ist da die unfassbare Macht in einer einzigen Firma. Nvidia entscheidet mit, welche KI entsteht – und wer sie bekommt. Wer die Chips kontrolliert, kontrolliert die Chips-abhängige Welt. Das ist nicht Silicon Valley. Das ist schon fast Vatikanstaat – nur mit Hoodie statt Mitra.