Seit 1977 erkundigt sich das Meinungsforschungsinstitut Ipsos bei den britischen Wählern, welchen Politiker sie am fähigsten als Premierminister halten. Der aktuelle Amtsinhaber Keir Starmer kann eben einen Rekord verbuchen, allerdings einen negativen: Nur gerade 19 Prozent trauen ihm das Amt zu, der tiefste Wert seit dem Beginn der Befragungen.
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Der Mann tut einem leid, und das ist nicht ironisch gemeint. Grundehrlich und blitzgescheit ist der Labour-Chef Keir Starmer, und so steht er heute vor den Delegierten seiner Partei in Liverpool. Sie applaudieren ihm lau und höflich. Dabei weiss er genau, dass sie ihn ins Pfefferland wünschen oder noch lieber auf den Mond, einfach möglichst weit weg.
Starmer kann sich als Parteiführer indes nicht aus dem Staub machen, auch wenn er das am liebsten möchte. Also faselt er von der Weggabelung, vor der Grossbritannien angesichts der Erfolge der rechten Konkurrenzpartei Reform UK stehe.
Diese Feststellung ist etwa so aufregend wie die Bahnhofdurchsage von einem verspäteten Intercity. Tatsächlich ist Starmers Zug längst abgefahren, seine Partei liegt mit 22 Prozent Wähleranteil tiefer denn je in den letzten sechzehn Jahren. Vor allem aber verliert sie gegenüber der Partei von Nigel Farage stetig weiter. Darum stehen die Labour-Delegierten längst nicht mehr hinter ihrem netten Chef und wollen die Partei mehrheitlich auf links trimmen.
Höhere Sozialausgaben, mehr Einwanderung, Unterstützung für die Hamas und so weiter – das ganze einschlägige Sammelsurium halt. Als ob damit nur eine zusätzliche Stimme zu gewinnen wäre. So steht der liebenswürdige Starmer auf verlorenem Posten und wird im Stillen hoffen, dass der Albtraum bald ein Ende findet.
Das könnte er tatsächlich, denn mit Andrew Burnham, dem Bürgermeister von Manchester, steht ein Herausforderer bereit – der nach einer allfälligen Wahl genauso scheitern würde wie der arme Starmer.