Das Wort Remigration wurde nicht von der AfD erfunden. Oder gar im Umfeld der Neuen Rechten. Im Deutschen ist es vermutlich ein Produkt des 19. Jahrhunderts, also der Zeit der grossen Auswanderungen, als manche Migranten das Heimweh packte und sie in ihre alte Heimat zurückkehrten – also remigrierten.
BERND VON JUTRCZENKA / KEYSTONE
Der breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde der Ausdruck im Zuge des inzwischen berühmt-berüchtigten Treffens rechter Politiker und Sympathisanten in der Nähe von Potsdam im November 2023. Unter dem Titel «Geheimplan gegen Deutschland» berichtete die Plattform Correctiv, der rechte Aktivist Martin Sellner habe bei fraglicher Veranstaltung einen Vortrag über «Remigration» gehalten. Thema: Ein «Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger». Anwesende bestritten später diese Darstellung.
Was damals in Potsdam gesagt worden ist oder nicht, kann hier nicht entschieden werden. Und schon gar nicht, was in dem einen oder anderen Kopf herumspukte. Aber das ist auch uninteressant. Viel spannender ist die Bedeutungsverschiebung, die der Begriff seitdem tatsächlich durchgemacht hat.
Denn in der medialen Berichterstattung der letzten Jahre wurde der Sinn des Ausdrucks Remigration konsequent eingeengt und uminterpretiert zu einer ausschliesslich unter Rechtsextremisten verwendeten Formel für die verfassungswidrige zwangsweise Abschiebung deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund. Entsprechend wurde der Begriff auch zum Unwort des Jahres 2023 gewählt.
Mit dieser medial forcierten Umdeutung des Wortes für den allgemeinen Sprachgebrauch rückte der Begriff Remigration zugleich in die Nähe der Zwangsdeportation. Das war geschmacklos und unsinnig. Erfüllt aber den politischen Zweck, jede Form der Abschiebung, auch die von Kriminellen oder Menschen mit abgelaufenem Aufenthaltsstatus, gedanklich und sprachlich in die Nähe der Nazis zu rücken – und damit im Keim zu ersticken. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.