Lima
Südamerika rückt weiter nach rechts. Wie in Ecuador, Paraguay, Argentinien und Bolivien gewinnt die politische Rechte auch die Generalwahlen in Chile. Allerdings fiel das Resultat nicht so deutlich aus wie in den vorgenannten Ländern.
Bezüglich der Parlamente (Repräsentantenhaus und Senat) lagen die definitiven Auszählungen bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Doch gemäss den Hochrechnungen gewinnen die Republikaner um José Antonio Kast und die Libertären um Johannes Kaiser in beiden Kammern Sitze, während die regierende Linksallianz um Gabriel Boric eine Niederlage einstecken musste. Zusammen dürften die Rechtsparteien eine knappe Mehrheit in der Legislative erreichen, welche für Änderungen der Verfassung allerdings nicht ausreicht.
AILEN DIAZ / KEYSTONE
Bei den Präsidialwahlen liegt die Kommunistin Jeannette Jara mit 26,8 Prozent der Stimmen vor dem Konservativen José Antonio Kast (24 Prozent) zwar an erster Stelle. Da Jara aber als einzige Kandidatin einer Allianz aller namhaften Linksparteien angetreten ist, dürfte sie ihren Stimmenanteil in der zweiten Wahlrunde gegen Kast, die auf den 14. Dezember angesetzt ist, nicht mehr grossartig steigern können. Seine rechten Konkurrenten Johannes Kaiser (14 Prozent) und Evelyn Matthei (12,5 Prozent) haben Kast bereits ihre volle Unterstützung in der Stichwahl zugesagt. Zusammen erreichten die drei Kandidaten 50,5 Prozent der Stimmen.
Insgesamt kommt die politische Rechte bei den Präsidialwahlen in Chile auf einen Stimmenanteil von über 70 Prozent. Allerdings ist ungewiss, wem sich die Wähler des drittplatzierten Populisten Franco Parisi (19,6 Prozent) nun zuwenden, der zwar dem rechten Lager zugerechnet wird, sich selbst aber als Feind jeglicher Ideologie in der politischen Mitte präsentiert.
Mit Jeannette Jara tritt erstmals ein Mitglied der Kommunistischen Partei zur Stichwahl um die Präsidentschaft in Chile an. Jara, seit ihrer Jugend im Kader der Partei, positionierte sich in den Wahlen zwar als gemässigte Linke. Doch vor einem halben Jahr noch verklärte sie die Diktatur in Kuba als «andere Art der Demokratie». Die Linksfront erreichte mit Jara das schlechteste Resultat seit Chiles Rückkehr zur Demokratie vor 35 Jahren.
José Antonio Kast, der vom medialen Mainstream gerne als «rechtsextrem» oder «ultrarechts» tituliert wird, war schon vor vier Jahren in die Stichwahl gekommen, die er gegen den Sozialisten Gabriel Boric verlor. Die Libertären um Johannes Kaiser spalteten sich damals von den Republikanern ab, weil Kast im Wahlkampf nach ihrem Gusto gegenüber den Linken zu viele Konzessionen machte.