Die ukrainische Antikorruptionsbehörde Nabu hat laut einem Bericht von Politico die Räumlichkeiten von Andrij Jermak durchsucht, dem einflussreichsten Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Aktion ist Teil einer sich ausweitenden Ermittlung wegen mutmasslicher Schmiergeldzahlungen in Höhe von 100 Millionen US-Dollar im ukrainischen Energiesektor.
Gian Ehrenzeller/Keystone
«Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine und die Sonderstaatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung führen Ermittlungen in den Räumlichkeiten des Leiters des Büros des Präsidenten der Ukraine durch», teilte Nabu über Facebook mit.
Jermak, der seit Selenskyjs Wahlsieg 2019 als dessen rechte Hand gilt, steht nun im Zentrum eines Skandals, der sich zu einer ernsthaften innenpolitischen Krise ausweiten könnte. Bereits Anfang November forderten Parlamentarier und zivilgesellschaftliche Gruppen seine Entlassung, nachdem bekannt geworden war, dass ein Geschäftspartner des Präsidenten – inzwischen ins Ausland geflüchtet – als mutmasslicher Drahtzieher der Korruptionsaffäre gilt.
Bereits Anfang November hatten ukrainische Abgeordnete und zivilgesellschaftliche Gruppen Selenskyj zudem zum Rückzug seines Beraters aufgefordert. Jermak äusserte sich bislang nicht zu den Vorwürfen.
Besonders brisant: Im Sommer versuchte das Präsidialamt in Kiew, den beiden Antikorruptionsbehörden die Unabhängigkeit zu entziehen und sie der Generalstaatsanwaltschaft zu unterstellen – just zu dem Zeitpunkt, als sich die Ermittlungen gegen das engste Umfeld Selenskyjs zu richten begannen. Erst nach Protesten auf der Strasse und Druck aus Brüssel wurde der Plan zurückgezogen.