Der Krieg im Nahen Osten hat eine ungewöhnliche Evakuierungsaktion ausgelöst: Fast 150 der wertvollsten Springpferde der Welt mussten kurzfristig aus Katar ausgeflogen werden. Die Tiere waren für ein Turnier der Global Champions Tour in Doha vor Ort, als iranische Raketenangriffe den Golfraum erschütterten und der Luftraum geschlossen wurde.
Stefano Grasso/LGCT
Das Turnier wurde zwei Tage vor Beginn abgesagt. Reiter und Teams versuchten daraufhin, ihre teils mehrere Millionen Dollar teuren Pferde möglichst schnell in Sicherheit zu bringen. «Als die Bombardierungen begannen, wollten wir die Pferde mit dem ersten Flug nach Hause schicken», sagte die französische Springreiterin Lara Tryba, die mit ihren Pferden Memphis und Shot Gun in Doha war.
Normalerweise wird der Transport solcher Spitzenpferde über Wochen geplant – mit veterinärmedizinischen Freigaben, Quarantänebestimmungen und umfangreichen Papieren. Durch den Krieg musste dieses sorgfältig abgestimmte System improvisiert werden. «Pferde zu transportieren, ist schon unter normalen Umständen eine hochkomplexe Operation», sagte Mohammed Jaber Al Khayareen vom Organisationskomitee des Turniers. Unter den aktuellen Bedingungen habe dies «ein aussergewöhnliches Mass an Koordination» erfordert.
Während Raketenabwehrsysteme über Doha aktiv waren, wurden die Tiere in Hallen gebracht, um sie vor möglichen Trümmern zu schützen. Der Lärm der Einschläge wurde durch die Klimaanlagen der Anlage gedämpft, damit die sensiblen Tiere nicht in Panik gerieten. Pfleger versuchten zudem, den gewohnten Tagesrhythmus möglichst beizubehalten, da plötzliche Veränderungen bei Pferden zu gesundheitlichen Problemen führen können.
Schliesslich gelang die Evakuierung in einer logistischen Kraftanstrengung. Insgesamt 147 Pferde wurden auf Lastwagen zum Flughafen gebracht, in spezielle Flugboxen verladen und nach Belgien transportiert. Dort landeten sie am Flughafen Lüttich und wurden in das Pferdehotel «Horse Inn» gebracht – eine zentrale Drehscheibe für den internationalen Pferdetransport. «Alle 147 Pferde sind sicher zu Hause», teilte die Turnierserie anschliessend mit.