Altkanzler Gerhard Schröder fordert nach Wahlniederlagen der SPD einen grundlegenden Kurswechsel und kritisiert die Parteiführung scharf. Dies sagte er der Süddeutschen Zeitung.
Mit Blick auf die jüngsten Ergebnisse erklärte er: «Wir haben die Wirtschaft vernachlässigt, wir haben uns zu sehr mit Nebenthemen beschäftigt.» Die SPD müsse wieder mutiger werden und umfassende Reformen angehen. Kleine Schritte und zögerliche Entscheidungen seien der falsche Weg.
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Schröder plädiert für eine Politik, die an seine Agenda-2010-Reformen anknüpft. Dazu gehöre auch, zentrale Themen wie das Rentenalter erneut zu diskutieren. Die letzte grosse Reform liege rund zwanzig Jahre zurück. Die Partei dürfe bei Reformen nicht ständig ein schlechtes Gewissen haben.
Deutliche Kritik übt der frühere Kanzler an der Organisationsstruktur der SPD. Die Doppelspitze bezeichnete er als «Quatsch» und erklärte: «Ich würde sie wieder abschaffen.» Eine Partei wie die SPD brauche klare Führung. Zugleich stärkte er den SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und sagte über ihn: «Ohne Zweifel ein guter Mann.»