Es ist eine regelrechte Kapuzinerpredigt eines altgedienten Zürcher Sozialisten – und was für eine.
Hartmuth Attenhofer (77), ehemaliger Kantonsrat, einst sogar Kantonsratspräsident und früherer Stadthalter von Zürich, hat mit Getöse seinen sofortigen Parteiaustritt bekanntgegeben. «Populismus statt Argumentation, Genderismus statt Sprache und Bildung, Identitarismus statt Inklusion, Tagespolitik statt Strategie, törichtes Geldverteilen statt Sozialpolitik. Die materielle Analyse weicht dem Effekthaschen», so seine Analyse zur SP-Politik, die ihn zum Parteiaustritt veranlasst hat.
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«Warum erst jetzt?», ist man fast gewillt zu fragen.
Die SP ist ja schon länger auf Abwege geraten. Viele der «Geknechteten dieser Erde», wie die Arbeiter in der sozialistischen Hymne «Die Internationale» genannt werden und deren Verteidigung die SP auf ihre Fahne geschrieben hat, fühlen sich von ihrer Partei verraten und zum Teil auch verachtet.
Eine linke sogenannte Arbeiterpartei, welche die Massenzuwanderung tabuisiert und migrationskritische Stimmen als Rechtsextreme und Rassisten abtut, blendet aus, dass die Migration von den «kleinen Leuten», also ihrer Klientel, eben auch als problematisch empfunden wird – weil sie die Folgen täglich zu spüren bekommen, durch Konkurrenz am Arbeitsplatz und bei der Wohnungssuche.
Dagegen beschäftigt sich die SP fast nur noch mit Genderfragen, Wokeness und Canceln.
Schon unter dem früheren langjährigen Präsidenten Christian Levrat liessen sich die Genossen in die Gendermanie hineinziehen. Das endete 2019 in einem Wahldebakel, und die SP sackte auf mickrige 16,8 Prozent ab. Unter den aktuellen Co-Präsidenten Cédric Wermuth und Mattea Meyer mauserten sich die «Unterhosenthemen», wie Attenhofer die Gender-Frage umschreibt, fast zur obersten Maxime der SP.
Man negiert biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau, poltert gegen US-Präsident Donald Trump (Wermuth: «Fuck you, Mr. Trump»), verherrlicht die Islamisten von der Hamas – und verunglimpft jeden, der Russlands Herrscher differenziert betrachtet, als Faschisten. Die Linke will uns auch laufend diktieren, wie wir schreiben, was wir essen, wie wir leben sollen. Fast jede Woche landet ein neues Wort auf dem Index der SP.
Noch schlimmer: Mit ihrer Klimapolitik treiben sie viele Menschen ins Elend, weil diese nicht das Kleingeld haben, ihre Häuser und Heizanlagen klimagerecht zu sanieren.
Dass nun nach Regierungsrat Mario Fehr und der früheren Nationalrätin Chantal Galladé mit Hartmuth Attenhofer ein weiteres prominentes Parteimitglied der SP den Rücken kehrt, wird kaum eine Kursänderung bewirken. Denn: Wer links ist, lebt wie Wermuth und Meier im schönen Bewusstsein, im Recht zu sein und immer recht zu haben.