28 Jahre Eiserner Vorhang – in Deutschland sind die Narben bis heute präsent. Nun stelle man sich vor: Korea ist seit 75 Jahren getrennt. «Die Lage ist sehr schlecht», sagt Professor Moon Chung-in über das isolierte Nordkorea. Chung-in ist der Architekt der «Sonnenscheinpolitik», mit der man versuchte, Nord- und Südkorea wieder zu vereinen. Heute ist der Brückenbauer bar aller Hoffnung. «Es herrscht eine totale Kommunikationsblockade», so Chung-in. Im Gespräch mit Urs Gehriger warnt er davor, Nordkoreas Diktator Kim Jong-un als «verrückt» zu klassieren. Er erklärt, warum sich Trump abgewendet hat und sein Heil in Putin sucht. Und warum der US-Präsident mit seiner erratischen Asienpolitik die Partner in Fernost ratlos lässt. Seite 20
KCNA via KNS/AP/Keystone
Für die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz war nicht der 7., sondern der 8. Oktober der eigentliche Schock: Der weltweite Jubel nach dem Hamas-Massaker markierte für sie den Moment, in dem Ideologie Mitgefühl verdrängte und Antisemitismus als moralische Haltung auftrat. Im Interview mit Pierre Heumann zeigt sie, wie Teile der Linken Täter und Opfer verdrehten, Fakten relativierten und Gewalt als «Widerstand» adeln wollten. Illouz spricht von einer enthemmten Empathielücke, die Hass zur Tugend erhebt und ein ganzes intellektuelles Gebäude zum Einsturz bringt. Seite 34
David Ellison, 42, ist der erste Filmmogul der Millennial-Generation. Kürzlich hat er Paramount, das älteste Studio in Los Angeles, erworben und plant die Verschmelzung von altem Hollywood-Gold mit dem Geist des Silicon Valley. Dort, im Epizentrum des Technologie-Unternehmertums, ist er aufgewachsen: Sein Vater ist der Oracle-Milliardär Larry Ellison. Am Anfang belächelte man den Sohn in Hollywood, heute ist er der neue starke Mann. In dieser Ausgabe schildern wir, wie Fliegerfan Ellison in der Trump-Ära zum Hoffnungsträger der Medien- und Filmindustrie aufgestiegen ist. Seite 46
Nach zwei Zugstunden, ab Zürich, erreicht man Lugano und erinnert sich, wie ein Novembertag sein kann: sonnig, klar, mild. Angenehm auch der Veranstaltungsort der ersten Ausgabe des Lugano Global Forum, die Aula der Università della Svizzera italiana, ganz in hellem Beton. Keynote-Redner ist Presidente Romano Prodi, in nachlässigem Italo-Schick. Sein Vortrag, mit ähnlicher Stimme wie Marlon Brando in «Der Pate», ist launig, tiefschürfend dennoch – und lenkt die Aufmerksamkeit der Studenten von ihren Smartphones ab. Was der 86-Jährige unserem Reporter Mark van Huisseling über seine Regierungszeit und Verhandlungen mit der Schweiz erzählte, lesen Sie auf Seite 26.
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