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Professor Bernhard Carlos Schär hat ein 124-Seiten-Gutachten zur Entfernung des «Mohrs» geschrieben, ohne das Wort auch nur ein einziges Mal zu schreiben

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Professor Bernhard Carlos Schär hat ein 124-Seiten-Gutachten zur Entfernung des «Mohrs» geschrieben, ohne das Wort auch nur ein einziges Mal zu schreiben
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Geschichtsforschung ist grenzgängerisch. Zum einen erfüllen Historiker gewisse Kriterien von Wissenschaft. Sie arbeiten mit klaren Methoden wie Quellenkritik, Überprüfung von Authentizität, ausgewiesenen Hypothesen.

Zum anderen sind natürlich keine Experimente möglich, Historiker erzählen, bilden Narrative, unterliegen häufig ideologischen Vorgaben, holen als angebliche Erkenntnisse aus der Geschichte heraus, was sie vorher hineingetragen haben, ohne das als Zirkelschluss auszuweisen.

Stephan Sahm/laif
Bernhard C
Stephan Sahm/laif

Geschichte ist ein weites Feld, das immer wieder umgegraben wird. Selbst unzählige Male beschriebenen historischen Ereignissen können neue Erkenntnisse abgewonnen werden. Wenn man so begabt ist wie Christopher Clark («Die Schlafwandler»).

Und dann gibt es Ideologen, Mietgutachter, die nicht nur begutachten, was der Auftraggeber gerne möchte. Sondern dabei auch noch gravierende handwerkliche Fehler machen. Paradebeispiel dafür ist Bernhard Carlos Schär, Eccellenza-Professor an der Uni Lausanne. Beim Center of International History and Political Studies of Globalization.

Eine Eccellenza-Professur ist ein Förderinstrument des Schweizerischen Nationalfonds. Für Forscher, die noch keine ordentliche Professur haben, aber darauf hinarbeiten wollen. Für ihr Professorengehalt sollten sie eine gewisse Forschungsleistung vorweisen.

Kann die auch bei offensichtlichem Ungenügen aberkannt werden?

Diese Frage stellt sich, seit Schär mehrfach grobe Schnitzer in seinem Fachbereich nachgewiesen worden sind. In der NZZ fasst Rico Bandle zusammen: «Der Professor, der überall Rassismus sieht».

Schon zuvor hatte die NZZ anhand des Gutachtens eines anerkannten Experten Schär nachgewiesen, dass sein Gefälligkeitsgutachten für die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch gravierende Fehler enthält. Und dennoch zur Entfernung des Wortes «Mohr» an Altstadthäusern führt.

Die Absurdität dieses Gutachtens zeigt sich schon daran, dass die beiden «Historiker» (Schär verfasste es zusammen mit der Gymnasiallehrerin Ashkira Darman) das zentrale Wort ihrer Untersuchung so schreiben: «M****». Kein Witz, aber Lächerlichkeit, ausgewalzt auf 124 Seiten:

Bandle: «Die beiden Inschriften, um die es bei dem Gutachten geht, werden konsequent mit ‹Zum M*****kopf› und ‹Zum M*****tanz› wiedergegeben.» Dies tue man in der Hoffnung, «dass diese [rassistischen] Kategorien dereinst obsolet werden», schreiben die Autoren. «Damit zeigen sie ungewollt, wie voreingenommen sie die Sache angingen: Wenn man diese Begriffe so schlimm findet, dass man sie nicht einmal in einer wissenschaftlichen Arbeit ausschreiben darf, so steht auch das Resultat von Anfang an fest: dass die alten Inschriften verschwinden müssen.»

Bandle erinnert daran, dass schon das reisserische Buch «Tropenliebe» des Historikers Schär über die Basler Forscher, Mäzene und Stifter Paul und Fritz Sarasin lediglich «ein Zerrbild» wiedergegeben hat. So schrieb die Basler Ethnologin Brigitta Hauser-Schäublin 2020: «Das Sarasin-Bashing hat einen Reputationsschaden angerichtet, der an Rufmord grenzt, auch in Zusammenhang mit den anthropologischen Arbeiten der Sarasins. Bei aller berechtigten Befremdlichkeit heute über das Vermessen von Menschen ist es unhaltbar, ihre Arbeit als historischen Ausgangspunkt für den Nazi-Rassismus zu setzen.»

Um daran mitzuwirken, habe Schär schon damals «selektiv» gearbeitet, wichtige Fakten, die nicht ins Bild passten, weggelassen. Bei seinem «Gutachten» über die Mohreninschriften unterliefen den beiden Autoren dann noch gravierende handwerkliche Fehler.

Dabei macht Schär aus seinem missionarischen Auftrag kein Hehl: «Schule und Erziehung im 21. Jahrhundert brauchen (…) mehr Postkolonialismus, Intersektionalität und Feminismus.»

Nun besteht Wissenschaft und Forschung auch aus Dialog, aus der Debatte über Kritiken, aus der erkenntnisfördernden Auseinandersetzung.

Anders bei diesen Historikern. Lehrerin Darman verweigerte auf Anfrage den Dialog, sie sei anderweitig ausgelastet. Das sieht Schär genauso:

«Die NZZ hätte gerne mit Bernhard C. Schär über seinen Forschungsansatz diskutiert, über die Verbindung von politischem Aktivismus und Wissenschaft. Er lehnte ab. Auch zu den mutmasslichen Fehlern in seinem Gutachten möchte er keine Stellung beziehen, er habe den Bericht von Illi noch nicht zu Gesicht bekommen, sagt er.»

Aber immer Zeit hat er, wenn es um die Teilnahme an Podien, Auftritte in den Medien oder um das Verfassen von «Gutachten» geht. So wie es zu Covid-Zeiten plötzlich vorher unbekannte Experten und gefragte Fachleute gab, hat sich Schär in der politisierten Thematik des «Postkolonialismus» einen Namen gemacht.

Stumm bleibt Schär auch, wenn man ihn anfragt, welches Honorar er denn für sein Machwerk über M**** erhalten habe. Sein Kollege Jung sah kein Problem darin, seines offenzulegen, da er ja mit Steuergeldern bezahlt wurde. Bei Schär muss man offensichtlich andere Wege einschlagen, um eine eigentlich selbstverständliche Auskunft zu bekommen.

Natürlich ist es erlaubt, dass jeder nach seinen fünfzehn Minuten Ruhm oder nach mehr sucht.

Wer aber eine mit Steuergeldern finanzierte Prä-Professur innehat und sich öffentlich dermassen unqualifiziert äussert, zudem handwerkliche Fehler begeht, sich jeder Diskussion verweigert – sollte dessen Qualifikation für das Eccellenza-Programm nicht überdacht werden?

René Zeyer ist Autor, Publizist und Herausgeber des Portals Zackbum, wo dieser Text zuerst erschien.

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