Die Regierung Trump hat europäischen Partnern in den vergangenen Wochen eine Serie von vertraulichen Ein-Seiten-Papieren übermittelt, die einen radikalen Umbau der Wirtschaftsordnung zwischen Russland, der Ukraine und Europa skizzieren.
Laut dem Wall Street Journal sollen US-Finanzfirmen Zugriff auf rund 200 Milliarden Dollar eingefrorener russischer Vermögen in Europa erhalten, um diese für den Wiederaufbau der Ukraine einzusetzen. Dazu gehört der Bau eines gigantischen Datenzentrums, gespeist aus dem von Russland besetzten Atomkraftwerk Saporischschja.
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Ein weiterer Anhang beschreibt Washingtons Vision, Russland schrittweise in die Weltwirtschaft zurückzuführen: US-Unternehmen sollen in strategische russische Branchen wie seltene Erden und Ölprojekte in der Arktis einsteigen und Energieflüsse nach Europa teilweise wiederherstellen.
Für viele Europäer ist das ein Tabubruch. Ein EU-Diplomat sprach von einem «wirtschaftlichen Jalta». Andere erinnern an Trumps Gaza-Pläne, die Kritiker als unrealistisch beurteilen.
Europa lehnt eine Rückkehr zur Abhängigkeit von russischem Gas strikt ab und will die eingefrorenen Gelder stattdessen nutzen, um Kiew direkte Kredite für den Krieg zu verschaffen. Die US-Seite hält das für ineffizient und setzt auf ein privatwirtschaftliches Hebelmodell, das den Betrag auf bis zu 800 Milliarden Dollar steigern könne.
Der Streit spaltet erstmals seit Jahrzehnten die USA und Europa in der Russlandfrage. Während Berlin und Paris skeptisch bleiben, drängen Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner auf ein Geschäft-für-Frieden-Modell, das wirtschaftliche Verflechtung als Schlüssel zur Befriedung sieht.