Der ehemalige CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam, ist von einem Gericht in Abidjan von der Wählerliste gestrichen worden und darf damit nicht bei der Präsidentschaftswahl in der Elfenbeinküste im Oktober antreten. Das entschied laut seinem Anwalt Rodrigue Dadjé das Gericht in der Wirtschaftsmetropole des Landes in erster Instanz.
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Hintergrund der Entscheidung ist Thiams frühere französische Staatsbürgerschaft. Die Richterin befand, dass Thiam «seine ivorische Staatsangehörigkeit verloren hat, als er 1987 die französische Staatsangehörigkeit annahm» – ein Umstand, der mit der Eintragung ins Wählerregister unvereinbar sei. Da eine Kandidatur die Registrierung voraussetzt, bedeutet das Urteil de facto das Aus für Thiams politische Ambitionen, wie der Tages-Anzeiger berichtet.
Thiam, der erst kürzlich in einer parteiinternen Abstimmung offiziell zum Präsidentschaftskandidaten des oppositionellen Parti démocratique de Côte d’Ivoire (PDCI) gekürt worden war, sieht in dem Urteil einen gezielten Ausschluss durch das Lager von Präsident Alassane Ouattara: «Ich werde diesen Ausschluss nicht akzeptieren, weil er ungerecht, ungerechtfertigt und unverständlich ist», erklärte er. In einer weiteren Stellungnahme am vergangenen Dienstag sprach er von «demokratischem Vandalismus» und warf der Regierung vor, «die Gerichte zu benutzen, um ihren stärksten Rivalen auszuschalten, während sie den Anschein rechtsstaatlicher Verfahren wahrt», wie die Financial Times schreibt.
Das Urteil ist nicht anfechtbar, was Thiams Chancen auf eine Rückkehr in das Rennen erheblich schmälert. Er hatte erst im Februar 2025 seine französische Staatsbürgerschaft abgelegt, um die rechtlichen Voraussetzungen für eine Kandidatur zu erfüllen.
Noch ist unklar, ob Präsident Ouattara, der 2020 eine umstrittene dritte Amtszeit errungen hatte, bei der Wahl im Herbst erneut antreten wird – das letzte Wort scheint in der ivorischen Spitzenpolitik noch nicht gesprochen.