Der Mann, der am 10. März im freiburgischen Kerzers ein Postauto in Brand setzte und damit sich selbst und fünf weitere Menschen in den Tod riss, lebte zuletzt weitgehend am Rand der Gesellschaft. Der 65-jährige Schweizer aus dem Kanton Bern führte laut verschiedenen Medienberichten ein zurückgezogenes Leben, geprägt von persönlichen Problemen, gesundheitlichen Schwierigkeiten und wachsender Isolation.
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Sein Zuhause war zuletzt kein Haus, sondern ein Camper. Das Wohnmobil stand auf einem Bauernhof im Berner Seeland, nahe Aarberg. Dort lebte er seit einigen Jahren unter einfachen Bedingungen.
Nach Angaben von Bekannten hatte er zuvor mehrfach den Wohnort gewechselt und keinen stabilen Lebensmittelpunkt mehr gefunden. Zuletzt soll er auch aufgefordert worden sein, sich einen neuen Stellplatz zu suchen.
Die Behörden kannten den Mann. Er stand unter administrativer Beistandschaft der Kesb. Hinweise auf schwere Gewaltkriminalität gab es jedoch nicht. Bekannt war vielmehr, dass er mit Alkohol- und Suchtproblemen kämpfte und gesundheitlich angeschlagen war. Sein Leben verlief zunehmend abseits der gesellschaftlichen Normalität.
Schon früher war er auffällig geworden. 2019 verschanzte er sich in einem Gebäude des Schweizer Fernsehens SRF in Bern und drohte, sich selbst etwas anzutun. Die Polizei konnte die Situation damals entschärfen, Menschen kamen nicht zu Schaden.
Kurz vor der Tat war der Mann offenbar in einem Spital aufgefallen und danach als vermisst gemeldet worden. Wenig später bestieg er das Postauto in Kerzers. Dort entzündete er sich nach bisherigen Erkenntnissen selbst, das Feuer griff rasch auf das Fahrzeug über.
Warum der Mann diesen Weg wählte, bleibt Gegenstand der Ermittlungen. Vieles deutet derzeit auf die Tat eines psychisch schwer belasteten Einzeltäters hin. Eines Mannes, der sich von der Gesellschaft entfernt hatte und sie am Ende offenbar mit einem dramatischen Akt verlassen wollte.