Noch sind nicht alle Details zum Postauto-Drama von Kerzers bekannt. Aber die Art und Weise, wie die Polizei in einer ersten Phase über den mutmasslichen Täter berichtete, wirft doch einige Fragen auf.
Zuerst hiess es: Erste Anhörungen und Zeugenaussagen würden darauf hindeuten, dass der Täter – «wahrscheinlich ein Schweizer Staatsbürger mit Wohnsitz im Kanton Bern» – allein gehandelte habe. Die möglicherweise psychisch labile Personen sei von seiner Familie als vermisst gemeldet worden. In einer später nachgereichten Information präzisierte man, dass besagte Person die Schweizer Staatsbürgerschaft besitze.
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Was für eine seltsame Art der Kommunikation, mit viel Raum für Spekulationen und Vermutungen. Warum spricht man nicht einfach von einem Schweizer? Weshalb beruft sich die Polizei auf Zeugen, wenn es um die Identität des Täters geht, wo man doch gemäss eigenen Angaben seine Familie kennt? Seit wann verweisen Behörden auf Zeugen zur Feststellung einer Identität?
Die vorherige Kommunikation bezog sich auf erste Anhörungen und Zeugenaussagen, gibt die Kapo Freiburg auf Anfrage der Weltwoche zu verstehen. Der mutmassliche Täter sei später formell identifiziert worden, so dass wir daher die Nationalität mit Sicherheit kommunizieren konnten. Und: «Wir bestätigen, dass es sich um einen Schweizer Staatsbürger handelt.» Auf die Frage ob es einen Migrationshintergrund gebe, geht die Polizei nicht ein.
Sorry, aber das ist keine Erklärung für die chaotische Kommunikation.
Ausserdem war es nicht der einzige Lapsus, den man sich leistete. Eine spektakuläre Kehrtwende vollzog die Kapo Freiburg nämlich auch zum Krankheitsbild des Mannes, der den Postauto-Brand auslöste.
Neuerdings ist plötzlich nicht mehr von einer «psychisch labilen Person» die Rede, sondern von einem Mann mit physischen Beschwerden.
Wer so informiert, will nicht Transparenz schaffen, sondern vernebeln.
Anmerkung: Nach der Erklärung der Kantonspolizei Freiburg wurde der Text entsprechend angepasst.