Im letzten August liess der Schweizer ESC-Gewinner Nemo ein Interview mit dem Bieler Tagblatt mitten im Gespräch platzen, weil dort Fragen zur Politisierung des Anlasses gestellt wurden.
Politik und Privatleben als Themen seien tabu, liess der Künstler, der sich als nonbinär definiert, danach wissen. Interviews sollten sich nur um die Musik drehen.
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Das scheint Nemo inzwischen lockerer zu sehen und macht nun exakt das Gegenteil – in Form eines klaren Angriffs auf Israels Beteiligung am Musikwettbewerb.
Gegenüber der Huffpost stellt er sich hinter die Forderung, das Land sei vom ESC auszuschliessen. Denn Israel vertrete nicht die Werte, die dort vorgegeben seien – «Frieden, Einheit und Achtung der Menschenrechte».
Immerhin versteckt Nemo seine Haltung, die bei der letzten Austragung bereits andeutungsweise sichtbar war, nicht mehr. Aber es stellen sich einige Fragen.
Warum beklagt man die «Politisierung» des Eurovision Song Contest und wünscht sich einen Fokus auf die Musik, nur um dann ein Jahr später über die Medien Politik zu machen?
Wenn sich Nemo so sehr für die Geschehnisse im Nahen Osten interessiert und er sie so genau beobachtet, warum nützt er dann seine Popularität nicht beispielsweise dafür, die Freilassung der israelischen Geiseln aus den Händen der Hamas zu fordern?
Ist sich Nemo bewusst, dass die diesjährige Kandidatin für Israel eine Überlebende des Terroranschlags der Hamas vom Oktober 2023 mit weit über tausend Todesopfern ist?
Was könnte ein stärkeres Symbol für Frieden und Menschenrechte sein als ihr Auftritt?