Nach den ganzen Politikern, Sportlern und Künstlern äussert sich nun auch noch Frank A. Meyer zur SRG-Initiative. Der Staatsfunk biete viel mehr als einen Service public, die SRG sei quasi selbst die Schweiz, schreibt der Publizist im Sonntagsblick. Meyers «Logik»: Wer für die Initiative ist und die Zwangsgebühr auf 200 Franken kürzen will, ist gegen die Schweiz. Die SVP, eine der Initiantinnen, sei von «Schweiz-Zerstörern» unterwandert, so Meyer.
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Wenn die Kolumnen des Exilschweizers plötzlich patriotischer klingen als eine 1.-August-Rede von Christoph Blocher, dann ist Skepsis geboten. Hat nicht derselbe Frank A. Meyer (FAM) vor nicht allzu langer Zeit Mitte-Mann Markus Ritter ermahnt, die «Klappe» zu halten, weil sich dieser als Bundesratskandidat dazu bekannte, nötigenfalls für die Schweiz zu sterben? Geht es FAM vielleicht weniger um die SRG, geschweige denn um die Schweiz, sondern vielmehr und vor allem um FAM?
Auch Meyer profitierte zeitlebens von der SRG. Von 1980 bis 2008 wurde seine Sendung «Vis-à-vis», bei der er bisherige oder künftige Freunde seines Netzwerks befragte, im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt. In dieser Zeit hat er nicht einen einzigen SVP-Bundesrat interviewt, dafür unter anderem die ausländischen Grünen-Politiker Joschka Fischer oder Cem Özdemir. Daniel Cohn-Bendit, der in frühen Revoluzzer-Jahren auch mit pädophilen Aussagen aufgefallen ist, hofiert er gleich ganze vier Mal.
Heute schreibt Meyer, die Annahme der Initiative wäre «die Zerstörung des Schweizer Journalismus in Fernsehen und Radio». Er stellt in seiner Kolumne die SRG-Journalisten so dar, als wären sie auf alle politischen Seiten gleich kritisch eingestellt. Das sind nachweisliche Fake News, zumal über 75 Prozent der SRF-Journalisten von sich selbst behaupten, politisch links zu stehen. FAM weiss natürlich, dass bei einem Ja die linke Seite und somit auch seine Deutungshoheit im Land geschwächt würde.
Dabei wäre ein Ja zur SRG-Initiative ein Schritt zu mehr Meinungsvielfalt, mehr Debatte. Ein Ja zu wieder mehr Schweiz – und ein historisches Urteil gegen FAM und seine Journalistengeneration, die den 68ern und den Schweiz-Müden den Marsch durch die Institutionen erst ermöglicht haben. Egal, wie die Abstimmung am 8. März ausfällt, eines ist heute schon klar: Die Zeiten, in denen Cohn-Bendit und Frank A. Meyer den Gebührenzahlern ihre Weltanschauungen ins Wohnzimmer sendeten, sind längst vorbei.