Der österreichische Plagiatsprüfer Stefan Weber wirft der Medizinethikerin Alena Buyx Verstösse gegen die gute wissenschaftliche Praxis in ihrer Dissertation vor. Dies geht aus einem Gutachten Webers hervor, über das er auf seinem Blog berichtet. In der 2005 an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster eingereichten Arbeit mit dem Titel «Lateralisierung von Aufmerksamkeit bei gesunden Linkshändern und Rechtshändern. Eine Studie mit funktioneller transkranieller Dopplersonografie (fTCD)» dokumentiert Weber 73 «Text- und Quellenplagiatsfragmente».
Wolfgang Kumm/DPA/Keystone
Das mehrere Dutzend Seiten umfassende Gutachten listet die beanstandeten Stellen tabellarisch auf. Weber stützt sich nach eigenen Angaben auf eine Softwareprüfung namens Turnitin Similarity sowie ergänzende Recherchen mit WCopyfind und der Wayback Machine. Sein zentraler Vorwurf lautet, Buyx habe in zahlreichen Passagen inhaltliche Ausführungen und Literaturangaben aus älteren Dissertationen derselben Fakultät übernommen, ohne diese als Sekundärzitate kenntlich zu machen.
Als besonders belastend wertet Weber identische Zitierfehler. In Buyx’ Dissertation fänden sich gleiche falsche Seitenzahlen, fehlerhafte Namensschreibungen oder unvollständige Literaturangaben wie in früheren Arbeiten. Er spricht von einem «zitationsbasierten Ansatz» der Plagiatsforschung. Als mutmassliche Vorlagen nennt er unter anderem Dissertationen von Anneken (2003), Dräger (2001), Jansen (2004), Bäcker (2001) und Manemann (2004).
Weber fordert die Universität Münster auf, zu prüfen, ob ein Verfahren zur Überprüfung und gegebenenfalls zur Entziehung des Doktorgrades einzuleiten sei. Buyx war während der Corona-Jahre Vorsitzende des Deutschen Ethikrates.