Man muss einige Abwehrreflexe unterdrücken angesichts des Staatsbesuchs von Achmed al-Scharaa, Syriens Übergangspräsidenten (bis mindestens 2030).
An den Händen des islamistischen Ex-Terroristen klebt Blut, ein Demokrat ist er ebenso wenig wie sein gestürzter Vorgänger, und die Allahu-akbar-Rufe, mit denen er von Anhängern in Berlin bejubelt wurde, werden lange nachhallen.
Ja, es ist widerlich, dass so ein Mann mit allen Ehren empfangen wird. Aber es ist auch notwendig. Will man illegal hier lebende Syrer zur Heimkehr bewegen, ist man auf die syrische Regierung angewiesen. Und wenn sie Geld will für ihre Hilfe, ist das besser angelegt, als Dauerzahlungen für Schutzsuchende.
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Die Moral: Wenn es den eigenen Interessen dient, wenn es notwendig ist, muss man mit jedem reden. Man kann sich ja hinterher die Hände waschen.
Die Frage ist nur: Warum redet man nicht mit Wladimir Putin? Warum nicht mit den Mullahs? Warum nicht mit Nordkoreas Kim?
Ganz einfach. Weil moralisierende Heuchelei Realpolitik verdrängt. Der Wähler bemerkt auch dies – und wendet sich mit Grausen.