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Parodie einer Aussenministerin

Parodie einer Aussenministerin

Aussenministerin Baerbock ist ein Dummerchen. Die ersten Journalisten wagen das nun zu sagen.

Mein favorisierter Flop ist immer noch «der Speck der Hoffnung». Annalena Baerbock servierte ihn im letzten Sommer bei ihrem Besuch in Südafrika.

Im Manuskript stand «beacon of hope», also Leuchtfeuer der Hoffnung, Baerbock machte daraus den «bacon of hope», den hoffnungsfrohen Speck.

Der Spott in den sozialen Medien war gewaltig, und die beste Pointe setzte die Lebensmittelkette von Rewe. Sie bewarb ihr neustes Speck-Angebot als «bacon of hope».

Illustration: Fernando Vicente
Parodie einer Aussenministerin
Illustration: Fernando Vicente

Gut, dachte man damals, so ein Ausrutscher kann einer deutschen Aussenministerin, die bekannterweise nur limitierte Englischkenntnisse hat, ausnahmsweise mal unterlaufen. Man täuschte sich. Die Ausnahme war die Regel.

Ein Paradebeispiel war etwa ihre Aufforderung an Wladimir Putin, sich «um 360 Grad» zu drehen und so die Ukraine-Politik neu auszurichten. Ein Klassiker war auch ihre Aussage, wonach in Elektrobatterien «Kobold» sei. Und dann erzählte sie von «Ländern, Hunderttausende Kilometer entfernt».

In den letzten Wochen lief Baerbock dann zu absoluter Hochform in der Disziplin des Fettnapfhüpfens auf. Erst legte sie 9/11 auf das Datum des 9. September, dann redete sie von einem «präsidenzlosen» Angriff des Iran auf Israel, dann machte sie die Rebellen der Huthis zu Husis.

Zum Höhepunkt des Feuerwerks lieferte sie dann noch zwei besondere Buketts zur Lage in Nahost. «Keine Ausreden mehr», herrschte sie erst die Israeli zu den Hilfslieferungen nach Gaza an.

Und dann verkündete sie eine mehr als blauäugige Einschätzung zur Lage vor Ort. Wörtlich: «Die Menschen im Nahen Osten wollen nur eins: in Frieden leben.» In Wahrheit wollen Abermillionen, angeführt von Hamas, Hisbollah und Mullahs, nichts anderes als einen möglichst blutigen Krieg gegen Israel.

Nun passierte etwas Ungewöhnliches. Der Aussenministerin schlug in den Medien deutliche Kritik entgegen, wie sie das zuvor noch selten erlebt hatte. Eine «gefährlich-naive Politik» nannte es die Bild. «Annalena Baerbock agiert einfach peinlich», diagnostizierte der Focus. Einen «irritierenden Auftritt» erkannte die Berliner Zeitung (BZ).

Nun kann man einwenden, bei Bild, Focus und BZ handle es sich ohnehin um Blätter des Bürgerblocks. Das ist richtig, aber ich habe den Eindruck, dass der Wind um die lang hochstilisierte Grüne doch langsam drehen könnte. Auch der Spiegel schreibt inzwischen mit Blick auf Baerbocks Reisediplomatie: «Leichtgewichte reisen um die Welt.»

Für das breite Publikum zumindest sind die ständigen Fauxpas-Fälle der Politikerin eine wahre Gaudi. Der Account «Aussenministerin Parody Annalena Baerbock», der sich auf X täglich über das Dummerchen lustig macht, hat bereits über 100.000 Follower.

Zumindest auf den Ampel-Journalismus ist vorderhand noch Verlass. Als Baerbock letzte Woche in den «Tagesthemen» eine unsägliche Serie von Peinlichkeiten und Versprechern von sich gab, zuckte die Moderatorin mit keiner kritischen Wimper. Den Ausdruck des «präsidenzlosen» Angriffs formulierte die «Tagesschau» dann auf der Website in «präzedenzlos» um, als wären die Öffentlichen die obrigkeitlichen Orthografieberater. Einen «gelungenen Spagat der deutschen Diplomatie» lobte mit Verweis auf Baerbocks Israel-Politik auch der gebührenfinanzierte Deutschlandfunk.

Auch bei den grün-roten Verbündeten in der Presse, von Süddeutscher Zeitung bis Zeit, gab es keine Kritik an der verbalen Pannenserie und den Fehleinschätzungen in Nahost. «Annalena Baerbock verdient Anerkennung», applaudierte stattdessen die Zeit.

Dass sich die Wahrnehmung der Pannenministerin nur so zaghaft ändert, ist aus der Vergangenheit erklärbar. Als Baerbock ins Amt kam, überschlugen sich die Journalisten mit Lobgesängen über eine Leuchtfigur. «Die Frau für alle Fälle», bejubelte sie der Spiegel auf dem Titelbild. «Endlich anders», juchzte der Stern unter Baerbocks Bild auf dem Cover. «Die Überlegene» war die Überschrift der Zeit in ihrer Titelgeschichte.

Wenn man einmal eine solch unkritische Vorlage abgeliefert hat, ist es für Redaktionen schwierig, aus dieser selbstgebauten Falle wieder wegzukommen. Sie glauben, sie würden dann das Gesicht verlieren.

Redaktionen wagen darum nur sehr zögerlich eine Wende «um 360 Grad», wie das Annalena Baerbock nennen würde.

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