Der Auftritt von Bundespräsident Guy Parmelin am Montag in Brüssel war eine Meisterleistung in Politmarketing. Der SVP-Bundesrat musste von Amtes wegen mit EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen die neuen EU-Verträge unterzeichnen, obwohl er selbst diese ablehnt.
Die EU-Turbos in der Schweiz erhofften sich von der Übung kompromittierendes Bildmaterial für die anstehende Abstimmungsschlacht. Der Schweizer Wirtschaftsminister harmonisch mit der obersten EU-Funktionärin und vor den Insignien Brüssels – mit diesem Sujet hätten die EU-Turbos tolle Werbung in eigener Sache machen können.
Screenshot X
Doch Parmelin ist nicht nur der meistunterschätzte Bundesrat, er ist auch viel klüger, viel bauernschlauer als die meisten in Bundesbern. Forderungen aus den eigenen SVP-Reihen, nicht nach Brüssel zu reisen, schlug er aus. Stattdessen ging er hin, er und seine Delegation in Schwarz gekleidet, um während der knapp dreissig Minuten neben von der Leyen demonstrativ kein einziges Mal zu lachen.
Auf keinem einzigen offiziellen Foto, das danach herumgereicht wurde, zeigte Parmelin Gefühle der Freude. Die EU-Turbos gingen leer aus. Manche von ihnen zeigten auf den sozialen Medien Bilder von Parmelin und von der Leyen bei einem Treffen am WEF in Davos, bei dem sich der Waadtländer ein kleines Anstandslächeln nicht verkneifen konnte – was wiederum zeigt, dass das Nichtlachen in Brüssel sehr bewusst war.
Simon Michel konnte das alles nicht so stehen lassen. Der FDP-Nationalrat, der sich gerne als Vordenker der EU-Bewegten in Szene setzt, hat keine Mühe, die Realität auszublenden, wenn diese seinen politischen Botschaften im Weg steht. «Sehe ich da doch ein kleines Lächeln bei Parmelin», fragte Michel sich selbst auf X (ohne dabei ein Fragezeichen zu verwenden).
Bei genauerem Hinsehen muss man dennoch feststellen: Nein, man sieht kein Lächeln bei Parmelin, auch kein «kleines», nicht einmal ein müdes Lächeln – oder etwa doch? Sehen Sie selbst. Sehen Sie das Lächeln, das Michel sehen will, auch?